Wien - Die ersten Verkäufe der Bawag, die neben ihren zwei Ostbanken (für die es bereits Interessenten aus Großbritannien und Italien gibt) alles verkauft, was nicht zum Kerngeschäft zählt, sollen bald abgeschlossen sein. Laut Bank-Chef Ewald Nowotny könnten TV-Sender ATV und Klavierfabrik Bösendorfer "noch im Oktober" verkauft sein. ATV soll zur Gänze bei Herbert Kloibers Tele München landen, um die Klavierfabrik rittern Yamaha und die Wiener Klavierbauer Brodmann Pianos. Sie sollen gute Karten haben, weil dem Verkäufer daran gelegen ist, die Produktion in Österreich zu halten.

Mit Altlasten beschwert

Der Immobilienabverkauf dürfte länger dauern, die Interessenten müssen erst in die Datenräume schauen. Was sich dabei herausstellen wird: Etliche der Wiener Innenstadt-Häuser, die die Ex- Gewerkschaftsbank verkauft, sind mit Altlasten beschwert.

Die Bawag-Zentrale im Gebäudekomplex Tuchlauben/ Seitzergasse etwa: Dort kämpft die Bawag um das Penthouse Ruth Elsners, das selbige dank Kaufrecht um eine Pappenstiel von der Bank erworben hat.

Oder eine Wohnung in einem Haus ein paar Meter weiter. Dort hat Bawag-Pensionist Karl Hirschmann im ersten Stock eine sehr günstige, 155 Quadratmeter große Mietwohnung - mitsamt einer ebenso günstigen Kaufoption: Für 950 Euro je Quadratmeter kann er die Wohnung jederzeit kaufen.

Bauen für oben

Wohnungen in Wiener Innenstadtlage kosten üblicherweise 8000, 9000 Euro je Quadratmeter. Hirschmann war mehr als 30 Jahre lang für den "Internen Service" in der Bank zuständig; er hat sich um sämtliche bauliche Angelegenheiten im Konzern (auch die Penthäuser) gekümmert. Für die 330 Quadratmeter große Dachwohnung ein paar Stockwerke drüber (früher wohnte Elsner dort) gibt es ein Vorkaufsrecht.

Josef Schwarzecker, angeklagter Ex-Vorstand, hat auf seine Kaufoption (für eine 172 Quadratmeter große Wohnung in der Wiener Kärntnerstraße) im Vorjahr verzichtet. Er hätte 1000 Euro je Quadratmeter zahlen müssen. (Renate Graber, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 19.10.2007)