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Wladimir Putin hört sich eine von angeblich 2,36 Millionen Fragen an, die an ihn anlässlich der Livesendung aus dem Kreml gerichtet wurden.

Foto: AP/Radionow
Größer denn je war am Donnerstag das Interesse an der vermutlich letzten Live-Fragestunde des russischen Präsidenten. Wladimir Putin hatte die Fragestunde vor sechs Jahren eingeführt. Diesmal wurden im Vorfeld angeblich 2,36 Millionen Fragen an den Präsidenten gesandt.

Menschen, die sich von den regionalen Machthabern schlecht behandelt fühlen, suchten beim "guten Zaren" Antwort vor allem auf soziale Fragen wie Pensionen, Geburtsbeihilfe oder Wohnraum, aber auch auf wirtschaftliche (Inflation, Gefahr einer neuen Rubelkrise) und politische, nämlich wie man sich als Wähler verhalten sollte, wo doch nicht einmal bekannt sei, wie Putins Plan für die Zeit nach seinem Ausscheiden aus dem Präsidentenamt im Frühjahr 2008 aussieht.

Putins Antworten über drei Stunden waren vorsichtiger denn je, schließlich wollte er nicht in den Verdacht geraten, ungesetzlich Wahlwerbung für die Kreml-nahe und alles dominierende Partei "Einiges Russland" zu betreiben, als deren Spitzenkandidat er ja in die Parlamentswahlen am 8. Dezember geht.

Der Auftritt geriet letztlich doch zur Wahlagitation. Putin gab zahlreiche Versprechen ab, besonders die Pensionisten und Familien (neue Kindergärten, Geburtenhilfe) wurden reichlich damit bedacht. Wiederholt rief er die starke wirtschaftliche Entwicklung der letzten Jahre in Erinnerung. Das Begonnene müsse kontinuierlich fortgesetzt werden; und dafür brauche es ein handlungsfähiges Parlament, sagte er und meinte die Verfassungsmehrheit, weshalb er nach Ansicht von Beobachtern ja die Partei anführen und dann möglicherweise Parlamentspräsident wird. Für 2008 stellte Putin klar: "Hier, im Kreml, wird ein anderer Mensch sitzen."

Zur US-Raketenabwehr kündigte Putin Gegenmaßnahmen an, wenn Russlands Interessen nicht berücksichtigt würden. Sarkasmus in Richtung Amerika kam nicht zu kurz, etwa zum Irak: "Schießen haben sie gelernt, aber Ordnung zu schaffen gelingt nicht." Mit dem US-Krieg im Irak begründete Putin auch "grandiose" russische Rüstungsprojekte, darunter eine neue atomare Sprengköpfe.

Davon dass Putin in Russland die Stabilisierung gelungen sei, waren die ausgewählten Fragesteller allemal überzeugt: "Mein Gott, ich danke Ihnen", sagte eine ältere Frau weinend am Telefon. Ein gerührter Putin deutete dies als Anerkennung seiner Arbeit und fügte hinzu: "Vieles ist noch nicht getan." (Eduard Steiner aus Moskau/DER STANDARD, Printausgabe, 19.10.2007)