Lissabon - Großbritannien wird den für Dezember geplanten EU-Afrika-Gipfel boykottieren, wenn der Präsident von Simbabwe, Robert Gabriel Mugabe, daran teilnimmt. "Wir werden an keiner Konferenz teilnehmen, bei der Mugabe anwesend ist", sagte der britische Premierminister Gordon Brown am Donnerstag am Rande des EU-Gipfeltreffens in Lissabon. "Wir haben sehr klar gemacht, dass wir nicht mit Mugabe an einem Tisch sitzen können. Wir sind nicht bereit, einem Mann irgendeine Glaubwürdigkeit zu verleihen, der in so rücksichtsloser Weise die Menschenrechte in seinem Land zerstört hat", sagte Brown. Mugabe sei für vier Millionen Flüchtlinge und für ein erschreckendes Ausmaß von Armut und Elend in seinem Land verantwortlich.

Der simbabwesische Präsident hat angekündigt, er werde einer Einladung zum EU-Afrika-Gipfel am 8./9. Dezember in Lissabon Folge leisten. Andere afrikanische Staatschefs haben kritisiert, dass Großbritannien als einstige Kolonialmacht Mugabe aus dem Kreis der Gäste der portugiesischen EU-Ratspräsidentschaft ausschließen möchte. Außer Großbritannien haben bisher keine anderen EU-Staaten einen Boykott des Afrika-Gipfels angekündigt. Die EU hat seit sieben Jahren kein Gipfeltreffen mehr mit den Staaten Afrikas organisiert, weil Mugabe in den EU-Staaten offiziell unerwünscht ist.

Keine "diskriminierende" Haltung

Portugal hatte erklärt, es werde keine "diskriminierende" Haltung gegenüber Simbabwe einnehmen. Lissabon reagierte damit auf die jüngsten Vorwürfe der Südafrikanischen Entwicklungsgemeinschaft (SADC), nach deren Auffassung die Sanktionen der EU und der USA gegen Simbabwe die Hauptursache für die derzeitige Krisensituation im ehemaligen Südrhodesien sind. Die SADC-Länder hatten im September einen wirtschaftlichen Rettungsplan für Simbabwe beschlossen, der nicht an politische Reformen gekoppelt ist. Mitglieder der SADC sind neben Südafrika Angola, Botswana, Sambia, Simbabwe, Mozambique, Namibia, Tansania, die Demokratische Republik Kongo, Malawi, die Königreiche Lesotho und Swaziland, Mauritius und die Seychellen. (APA/dpa)