London - Die britische Wirtschaft hat der Kreditkrise getrotzt und ist im dritten Quartal 2007 stärker als erwartet gewachsen. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) der zweitgrößten Volkswirtschaft Europas stieg in den drei Monaten zum 30. September gegenüber dem Vorquartal vorläufig um 0,8 Prozent - nach 0,8 Prozent im zweiten Vierteljahr, wie das nationale Statistikamt am Freitag in London mitteilte. Es war die stärkste Wachstumsrate seit mehr als drei Jahren. Zum Vorjahr beschleunigte sich die Wirtschaftsleistung auf 3,3 Prozent, nach 3,1 Prozent im zweiten Quartal. Analysten hatten im Schnitt ein Wachstum vom 0,7 Prozent zum Vorquartal und zum Vorjahr von 3,1 Prozent erwartet.

Hauptwachstumsmotor war einmal mehr der Dienstleistungssektor, der knapp drei Viertel der gesamten britischen Wirtschaft ausmacht. Das Wachstum in dem Sektor beschleunigte sich im dritten Quartal auf ein Prozent. Während die Zahlen für den Einzelhandel überraschend stark waren, sank das Wachstum im Produktionssektor jedoch auf 0,2 Prozent im Quartal von 0,7 Prozent. Hauptgrund dafür waren deutlich schwächere Zahlen der verarbeitenden Industrie.

An den Finanzmärkten nährten die Daten Spekulationen über die Zinspolitik der Bank of England. Eine überstürzte Leitzinssenkung dürfte nun weniger wahrscheinlich geworden sein. Zuletzt war der Druck auf die Bank of England (BoE) gewachsen, der US-Notenbank Fed zu folgen und die Zinsen ebenfalls zu senken, um eine anhaltende Abschwächung des Wirtschaftswachstums zu verhindern. Die Bank von England hat zur Eindämmung von Inflationsgefahren bereits fünf Mal die Geldpolitik gestrafft, so dass die Zinsen mit 5,75 Prozent auf dem höchsten Niveau aller sieben führenden Industrieländer liegen. (APA/Reuters)