Wien – Österreichs Finanzplatz steht vor einer Untersuchung durch den Internationalen Währungsfonds (IWF). Im Rahmen des sogenannten Financial Sector Assessment Program (FSAP) entsendet der IWF zwischen 27. November und 11. Dezember eine Delegation aus eigenen Prüfern und Vertretern der Finanzaufsichtsbehörden Großbritanniens und Belgiens nach Wien. Zweck der Mission: die Prüfung des Finanzplatzes im Allgemeinen und die Rolle der FMA bei den jüngsten Skandalen im Besonderen.

Die Prüfung sollte sich ursprünglich um das wachsende Ostengagement heimischer Banken drehen. Die Rolle der Finanzmarktaufsicht (FMA) bei Skandalen wie Bawag, der Swap-Affäre der Kärntner Hypo Alpe-Adria, dem Kollaps des Wiener Fondsanbieters Amis und zuletzt bei den Turbulenzen bei Meinl hätten den Fokus der Untersuchungen jedoch verschoben, berichtet profil. "Diese Problemfälle sind natürlich bekannt. Es bezweifelt auch niemand, dass es Mängel im Bereich der Aufsicht gegeben hat. Diese vergangenen Entwicklungen werden mit Sicherheit Bestandteil der Diskussionen sein", zitiert profil Johann Prader, Österreichs Vertreter im IWF-Direktorium.

Zuletzt wurde der österreichische Finanzplatz im Rahmen einer FSAP-Prüfung Ende 2003 unter die Lupe genommen. Damals hatte der IWF ein positives Zeugnis ausgestellt. Österreichs Finanzsystem ist "effizient, stabil und schockresistent", hieß es. Grobe Beanstandungen gab es nicht, nur den guten Ratschlag, dass die österreichischen Banken auf die Ertragslage am Heimatmarkt achten sollten.

Der neue FSAP-Bericht soll Mitte des kommenden Jahres vorliegen. "Einen Jubelbericht des Währungsfonds können wir eingedenk der Vorfälle sicher nicht erwarten", sagt SPÖ-Finanzstaatssekretär Christoph Matznetter. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 22.10.2007)