ModeratorIn: Mit Karl Wendlinger begrüßen wir heute einen Chat-Gast der alle Höhen und Tiefen des Motorsports bishin zur Formel 1 kennt. Er hat es sich nun vor seinem Monitor gemütlich gemacht und wird bis 14 Uhr all ihre Fragen beantworten.

Karl Wendlinger: Hallo , Grüß Gott ich freu mich schon auf Ihre Fragen

ModeratorIn: Ärgert man sich nach dem knapp verpassten WM-Titel nicht doch ein wenig über den etwas schwächeren Saisonstart oder das Ausscheiden in Oschersleben?

Karl Wendlinger: Ja schon , speziell Oschersleben war sehr schade weil wir ein technisches Problem hatten für das das Team nichts konnte

blog.andreaslindinger.net: Herr Wendlinger, haben wir letzten Sonntag die spannendste Formel1-Entscheidung aller Zeiten gesehen?

Karl Wendlinger: Ich glaube schon , daß noch nie drei Fahrer vor dem Finale so eng zusammen waren

ModeratorIn: Frage per Mail von Ulrich Gruen: Werden Sie nächstes Jahr wieder für das Jetalliance-Team antreten?

Karl Wendlinger: Ich hoffe . Wir werden uns jetzt irgendwann zusammen setzten und alles besprechen

ModeratorIn: Frage per Mail von Hannes Meyer: Woher nehmen Sie nach all den Jahren noch die Motivation? Und wie lange wollen sie noch aktiv bleiben?

Karl Wendlinger: Ich habe irgendwann das Glück gehabt mein Hobby zum Beruf zu machen . Es macht mir immer noch sehr viel Spass und deswegen ist die Motivation nie ein Problem

Walter KURTZ: Ist die Formel 1 Ihrer Meinung nach überreglementiert? Irgendwie kommt's mir so vor als ob da praktisch alle irgendwelche Regeln verletzen und das Aussprechen von Strafen so passiert, daß es der Dramaturgie nützt...

Karl Wendlinger: Das Gefühl hat man . Es kommt mir auch oft so vor , daß Entscheidungen nicht immer neutral gefällt werden

max moller: Herr Wendlinger, sie haben ja Andrew Newey damals bei Sauber als ganz jungen Ingenieur kennengelernt - wie war er damals so? War er ein Visionär?

Karl Wendlinger: nein Adrien Newey war nie bei Sauber

blog.andreaslindinger.net: Wie wichtig ist für einen Rennfahrer das Umfeld, insbesondere der Wohlfühlfaktor im Team? Gerade der Unterschied zwischen Raikkönen/Ferrari und Alonso/McLaren scheint hier ja eklatant. Macht es für McLaren Sinn, einen unzufriedenen Topfahrer zu halt

Karl Wendlinger: Für mich war das immer wichtig . Man verbringt das ganze Jahr miteinander und es so ein Klima wäre für mich unerträglich . Einen unzufriedenen Alonso zu halten macht für mich keinen Sinn .Der hat sich heuer so viel negatives gegen das Team geleistet , da wundert es mich wenn ihn das Team halten will

ModeratorIn: Frage per Mail von Robert Jank: Was halten Sie den Leuten entgegen, die meinen Formel 1 oder Motorsport generell wäre kein Sport?

Karl Wendlinger: Wettkampf ist für mich immer Sport .Man muß den Leuten dann erklären wie viel körperliche Kraft und Ausdauer es braucht solche Autos zu beherrschen

Hannes Kartnig: Wie stark hat Ihrer Meinung nach die Teamtaktik den WM-Ausgang in der Formel 1 beeinflusst. Mit anderen Worten, hat das McLaren tatsächlich so vergeigt, wie kolportiert wird?

Karl Wendlinger: Ich glaube die haben nicht viel vergeigt . Hamilton hatte einen kaputten Reifen in China und vielleicht einen Fehler gemacht , in Brasilien war es die Technik

MJ65: Als Sie damals Ihren schweren Unfall F1 bei gehabt haben, hat meines Wissens Peter Sauber garantiert, Ihnenn auch weiter ein Cockpit zu garantieren. Letztendlich sind Sie jedoch aus der F1 ausgestiegen. Warum ist das damals so gelaufen und hat es ke

Karl Wendlinger: die Chance habe ich schon bekommen aber es war nach der schweren Verletzung für mich nicht möglich sofort wieder konstante Leistungen zu bringen . Zu meinem Teamkollegen Frentzen hatte ich auch noch einen großen Gewichtsnachteil der sich negativ auf die Rundenzeiten auswirkte . Ich war zu langsam und für alle war das die Bestätigung: der kann es nicht mehr

ja natürlich: Gibt es eine "internes" Ranking unter Rennfahrern wer die besseren Fahrer sind? Z.B., Rallye vor Nascar for Formel for Tourenwagen?

Karl Wendlinger: nein für mich nicht . alle Kategorien sind unterschiedlich , so ist es speziell schwierig Rallyefahrer und Rundstreckenfahrer zu vergleichen .

Pullover aus Milch: Wird man Sie 2008 in Le Mans fahren sehen können?

Karl Wendlinger: Ich hoffe , es gibt Überlegungen von Jetallianceracing dort anzutreten

Walter KURTZ: Eines der Bilder dieses Jahres in der Formel 1 als Wurz am Podest steht und als Dritter die beiden Erstplazierten überragt. Sie sind ja auch nicht der Kleinste - würden Sie heute noch in ein Formel 1 Auto passen und wie sehen Sie das, daß praktisch

Karl Wendlinger: zu meiner Zeit war das Gardemaß auch unter 170cm . mir war eigentlich jedes Formelauto zu klein aber irgendwie ging es immer

MJ65: Wer aller könnte aus Ihrer Sicht aus dem Pool österreichischer Fahrer wieder in die Formel1 einsteigen und wann?

Karl Wendlinger: sehr schwierig zu sagen . Andreas Zuber hört man bekommt irgendwo einen Test , ich glaube aber so richtig in den Startlöchern steht keiner

ModeratorIn: Frage per Mail von Rodrigo Mendoza: Wie waren Sie dieses Jahr mit den Leistungen ihres Teamkollegen Ryan Sharp zufrieden?

Karl Wendlinger: Sehr zufrieden . Ryan saß das erste mal in einen GT Auto . Er hat mich als nummer eins akzeptiert und nie Politik betrieben .Im Mittelstint hat er wie auch beim letzten Rennen in Zolder seine Sache optimal gemacht

Hannes Kartnig: Konnen Sie quantifizieren wie hoch der Anteil des Materials, also in diesem Fall des Boliden, am Erfolg eines Fahrers ist? Vielleicht in Prozent?

Karl Wendlinger: das ist immer sehr schwer zu sagen . der richtig gute Fahrer macht ein schlechtes Auto immer besser kann aber mit einer Gurke auch nichts ausrichten.

Konsumverweigerer: Herr Wendlinger, ich behaupte einfach einmal, dass der Motorsport eine fragwürdige Lizenz zum Umweltverschmutzen hat und zudem öffentlichkeitswirksam für den Kauf von schnellen Spritfressern der gehobenen PS-Kategorie wirbt. Was fällt ihnen zum Stic

Karl Wendlinger: wir haben alle eine Verantwortung für unsere Umwelt .Im Rennsport wird immer an der Technik weiterentwickelt , mehr Leistung aber auch weniger Spritverbrauch und mehr Effizienz das alles an Verbesserungen in die Strassenautos eingeführt wird

ja natürlich: Viele Fahrer sind auch begeisterte Piloten - sie arbeiten für ein Business Carrier Unternehmen: Haben Sie selbst auch einen Pilotenschein bzw. interessieren Sie sich fürs Fliegen?

Karl Wendlinger: Ich interessiere mich für das Fliegen , habe aber noch keinen Schein

ModeratorIn: Es hieß, dass Jetalliance-Team könnte wegen Ärger mit der Finanz ins Ausland abwandern. Ist das vom Tisch, gibt es da was Neues?

Karl Wendlinger: Ich kenn den letzten Stand leider nicht

slow motion: Was halten Sie für den Grund, warum es sowenig Frauen im Motorsport gibt ?

Karl Wendlinger: kann ich sehr schwer beurteilen . Vielleicht spielt ein wenig die Physe rein . Im schnellen Formelautos gibt es unglaubliche Fliehkräfte und Belastungen

Hannes Kartnig: Bezüglich Materialfrage: Kann man also sagen, dass der Rennfahrer-Job fast mehr mit Weiterentwicklung als mit dem Racen im engeren Sinn zu tun hat?

Karl Wendlinger: beides , man kann aber nur Erfolg haben oder den Erfolg beibehalten wenn man das Auto stetig verbessert

El Bertzo: Was halten Sie von der Nachwuchsförderung im Österreichischen Motorsport? Was müsste passieren bis endlich wieder "gute" junge österreichische Fahrer in die Top-Ligen vorstoßen (Formel 1, WRC, DTM, WTCC, etc.)

Karl Wendlinger: Es gibt in Österreich seit mehreren Jahren ein unvergleichbares Nachwuchsprogramm von Red Bull .Viele Junge Leute werden gesichtet und ich bin mir sicher , daß ein richtiges Talent dann auch die Förderung bis ganz nach oben bekommt

Juergen1975: Wäre Ihr Rennwagen mit Elektroantrieb ausgestattet (sofern die Technik soweit wäre) würden sie damit genau so gerne fahren?

Karl Wendlinger: ja

ModeratorIn: Frage von Robert Jank: Ich habe kürzlich ihren Unfall von Monaco auf Video gesehen. Würden sie auch sagen, dass er mit den heutigen Sicherheitsvorkehrungen wahrscheinlich weit weniger schlimm ausgegangen wäre?

Karl Wendlinger: der Kopf wäre sicher geschützt gewesen . vielleicht hätte ich mir nur das Knie angeschlagen

blog.andreaslindinger.net: Wie sehr würde ein Einspruch von McLaren gegen BMW und Williams wegen der Benzintemperatur dem Ansehen der Formel1 schaden? Wird es dazu kommen nachdem selbst Hamilton dies nicht befürwortet?

Karl Wendlinger: Ich glaube am besten wäre wenn jetzt endlich schluß wäre mit den ganzen Protesten und Strafen .

slow motion: Was halten Sie von Stallorderphänomenen ?

Karl Wendlinger: für einen betroffenen Fahrer frustrierend . es ist aber immer so , daß sich immer der schnellere Fahrer automatisch zur nummer eins im Team macht und mehr Aufmerksamkeit bekommt

slow motion: Ist das mit dem angeblichen Entwicklungs-Spinoff für den Strassenverkehr heutzutage nicht ein reines Werbeargument zugunsten des Motorsports ? Formel 1-Boliden sind, was Leistung und Kosten betrifft, heutzutage weit vom normalen Strassenverkehrsauto

Karl Wendlinger: als ganzes ist das Formel 1 Auto weit vom Strassenauto weg aber bei der Material und Werkstoff-Entwicklung gibt es sicher einen Transfer. Formel1 ist Leichtbau mit hoher Sicherheit. Materialien werden entwickelt, die bei Unfällen hohe Kräfte aushalten müssen und auch später in einem Straßenauto für höhere Sicherheit sorgen kann.

ja natürlich: Sie haben beim letzten AR Supertest mitgewirkt und verschiedenste Strassensportler getestet. Wie schnell können Sie sich auf ein Auto einstellen und gute Rundenzeiten fahren bzw. was "liegt" Ihnen mehr: Hecktriebler, Allrad, Mittelmotor?

Karl Wendlinger: ich kann mich schnell auf ein Auto einstellen . auf der Strasse fahr ich nie am Limit das muß mir nur Spass machen

Chefkritiker: Herr Wendlinger, bitte beschreiben sie einem Laien, was an einem Sport, in dem alle Beteiligten nach zig gefahrenen Kilometern wieder dort sind, wo sie zuvor gestartet sind, faszinierend sein soll. Sind sich die Sportler bewusst, dass für müde Ferns

Karl Wendlinger: es muß ja keiner anschauen

max moller: das tut mir leid, ich dachte sie hätten mit Adrian Newey gemeinsam bei Sauber gearbeitet ... laut Wikipedia war Newey nicht bei Sauber sondern Leyton House/Ilmor - aber sie haben Adrian Newey auf jeden Fall bei Leyton House damals 91/92 kennengelern

Karl Wendlinger: da war er leider schon weg , ich glaube er ist aber wirklich ein Spitzenmann , auch vom Charakter

Hannes Kartnig: Haben Sie eigentlich immer noch das Gefühl - und auch den Willen - sich als Fahrer verbessern zu können? Wenn ja, in welchen Bereichen?

Karl Wendlinger: in erster Linie mental

sec: Herr Wendlinger, mich würde interessieren, ob Sie von Ihrem schweren Unfall noch unter Nachwirkungen wie Kopfschmerzen oder dergleichen leiden

Karl Wendlinger: Ich glaube ich hab so viel Medikamente bekommen , daß ich nie mehr Kopfweh bekomme

MJ65: Ist die F1 tatsächlich das Non-plus-Ultra oder machen Ihnen nicht GT oder DTM unter Berücksichtung möglichst aller Faktoren genausoviel Spass?

Karl Wendlinger: Die GT Serie macht mir sehr viel Spaß aber die Formel 1 ist die erste Liga wo jeder junge Fahrer hinwill . Ich bin Stolz es geschafft zu haben

Juergen1975: Herr Wendlinger, fahren Sie privat auch gerne Sportwagen oder verliert dies Angesichts der sehr starken und schnellen Rennwagen den Reiz?

Karl Wendlinger: Ich fahr privat sehr gemütlich , ich habe das Rennauto um schnell zu fahren

ModeratorIn: Frage per Mail von Hanswurstian: Gibt es Angebote aus anderen Rennserien?

Karl Wendlinger: Gespräche schon aber nichts konkretes

Van the Man: Wer ist für Sie der beste Motorsportler aller Zeiten? Rossi, Schumacher, Loeb, Senna...?

Karl Wendlinger: Senna der beeindruckenste

ModeratorIn: Es ist nun 14 Uhr, wir verabschieden und bedanken uns bei Karl Wendlinger für das Beantworten der Fragen. Die letzten Worte überlassen wir freilich der Tiroler Renn-Ikone selbst.

Karl Wendlinger: Vielen Dank für das große Interesse!

ModeratorIn: Frage per Mail von Ulrich Gruen: Wie oft haben Sie überlegt, was ohne ihren Unfall in der Formel 1 möglich gewesen wäre?

Karl Wendlinger: manchmal , habe aber den Lauf meines Lebens schnell akzeptiert