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Die Motive der SchülerInnen für ihre Erwerbstätigkeit neben der Schule sind in erster Linie Unabhängigkeit, Interesse und Berufserfahrung.

Foto: APA/Dietmar Stiplovsek
Wien - Jeder vierte Schüler jobbt neben der Schule. Das zeigt eine heute, Montag, präsentierte Studie der Arbeiterkammer (AK) Wien und des öibf (Österreichisches Institut für Bildungsforschung). "Es ist löblich, wenn man neben der Schule arbeitet. Es ist noch löblicher, wenn diese Arbeit mit dem Ausbildungsfeld der Schule zusammenpasst. Ich kann aber keine Schulstunden gegen Arbeitsstunden verhandeln", so Fred Burda, Schulleiter des bfi (Berufsförderungsinstitut) Wien.

Vor allem Ferialjobs

Die im Herbst 2006 durchgeführte Erhebung konzentrierte sich auf die Erwerbstätigkeit von Schülern der oberen Sekundarstufe während der Ferien und der Schulzeit. Befragt wurden 1.492 15- bis 20-jährige Besucher von Vollzeitschulen. Dabei ergab sich, dass zwei Drittel der Befragten bereits über Erfahrung im Arbeitsfeld verfügen. Der größere Teil der bezahlten Tätigkeit erfolgte während der Ferien, rund ein Viertel der Schüler arbeitete aber auch während des Semesters.

Gastronomie vorne

Die Motive der Schüler für deren Erwerbstätigkeit sind in erster Linie Unabhängigkeit, Interesse und Berufserfahrung. Dabei geben Jugendliche aus einkommensschwachen Haushalten zu einem Drittel an, Geld zur Unterstützung der Familie zu benötigen. Die Hälfte der Schüler arbeitet samstags, 40 Prozent wochentags, der Rest sonntags. Gejobbt wird vor allem in der Gastronomie (31 Prozent) und im Verkauf (20 Prozent). Auch das Babysitten (18 Prozent) zählt zu den Spitzenreitern. Seltener werden Büroarbeiten oder Werbe- und Promotionsaktivitäten (je neun Prozent) ausgeübt und Nachhilfe gegeben (sechs Prozent).

Unter zehn Euro

Auffallend gering ist das Einkommen der berufstätigen Schüler: Es überwiegen Stundenlöhne zwischen fünf und zehn Euro. Bis zu einem Drittel der Befragten hat Schwierigkeiten, Schule und Arbeit zu vereinbaren. Zu leiden haben laut Aussage der Schüler die Freizeit sowie Vorbereitungszeiten für Tests und Schularbeiten. Generell zeigt sich, dass ältere Schüler (12. und 13. Schulstufe) stärker inhaltliche Querverbindungen zwischen der Arbeitswelt und im schulischen Kontext erworbenen Wissen herstellen können.

Lehrer und Psychologen begrüßen die zusätzlich gewonnene Arbeitspraxis, warnen aber vor vermehrten Fehlstunden und Leistungsabfall bei zu hoher Arbeitsbelastung. "Der Fokus der jungen Menschen liegt oft auf dem Beruf, daher wird die schulische Laufbahn vernachlässigt", berichtet Karl Pleyl, Projektleiter und Lehrer am bfi Wien. Burda sieht es als Aufgabe der künftigen Lehrplanentwicklung, die Arbeitspraxis stärker in die Ausbildung zu integrieren.

Damit Schüler nicht aus finanziellen Gründen zum Arbeiten gezwungen sind, forderte Susanne Schöberl, Bildungsexpertin der AK Wien, eine Anhebung der Schülerbeihilfe. Robert Strayhammer von der GPA-DJP (Gewerkschaft der Privatangestellten, Druck - Journalismus - Papier) betonte die Relevanz, Schüler über ihre Rechte als Erwerbstätige aufzuklären.(APA)