Frankfurt - Die Krise bei den US-Immobilienhypotheken schlägt in der deutschen Bankenlandschaft weiter hohe Wellen. Die Commerzbank ist nach Angaben ihres Vorstandssprechers Klaus-Peter Müller stärker betroffen als angenommen. "Die bisher angekündigten Abschreibungen von 80 Mio. Euro spiegeln den Informationsstand von Anfang Juli wider. Das wird nicht reichen", sagte Müller der "Financial Times Deutschland" (Montag). Die Prognosen der Bank zum Jahresgewinn blieben davon aber unberührt.

Die Aktie der Commerzbank brach am Montag zu Handelsbeginn um mehr als sechs Prozent auf 28,27 Euro ein, konnte die Verluste allerdings bis zum Nachmittag halbieren. Die Commerzbank ist mit 1,2 Mrd. Euro in dem seit Wochen kriselnden Markt für zweitklassige (subprime) US-Hypothekenkredite engagiert. Deshalb hatte das Institut für das zweite Quartal 46 Mio. Euro abgeschrieben und für das dritte Quartal eine vergleichbare Größenordnung angekündigt. Die Commerzbank peilt für dieses Jahr einen Überschuss von mehr als 1,5 Mrd. Euro an.

Müller, der auch Präsident des Bundesverbandes Deutscher Banken ist, warnte, dass das volle Ausmaß der Marktturbulenzen derzeit noch nicht abzuschätzen sei. "Die Tatsache, dass sich noch immer nicht alle Banken erklärt haben, trägt zur weiteren Unsicherheit des Marktes bei", sagte der Commerzbank-Chef der Zeitung. Bei einigen Banken werde die Veröffentlichung der Zahlen zum dritten Quartal Klarheit bringen. Auch Finanzminister Peer Steinbrück (SPD) hatte am Wochenende gesagt: "Wir sind keinesfalls durch. Das wird uns noch mehrere Quartale bis weit in das Jahr 2008 hinein beschäftigen."

US-Rettungsfonds

Unterdessen zieht die Dresdner Bank ein Engagement bei einem milliardenschweren US-Rettungsfonds in Betracht. "Wir sind von den Initiatoren angesprochen worden, wir prüfen das jetzt", sagte ein Sprecher der Allianz-Tochter dem "Handelsblatt" (Dienstag) am Rande der IWF-Jahrestagung in Washington. Hintergrund sind die Pläne von Citigroup, JP Morgan Chase und Bank of America, einen bis zu 100 Mrd. Dollar (70,6 Mrd. Euro) schweren Krisenfonds aufzulegen. Dieser soll Papiere von außerbilanziellen Zweckgesellschaften übernehmen, die sich sonst nicht mehr an den Märkten refinanzieren können. Derartige Konstruktionen hatten in Deutschland die IKB und die Sachsen LB an den Rand des Ruins gebracht.

Der Chefvolkswirt der Commerzbank, Jörg Krämer, sagte in einem Interview der Deutschen Welle, die Hypothekenkrise in den USA werde weiterhin für schlechte Zahlen aus der amerikanischen Wirtschaft sorgen. Die Krise beginne sich jetzt erst auf die Realwirtschaft auszuwirken und werde weit bis in das nächste Jahr hinein das Wachstum in den USA belasten. (APA/dpa)