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Li Keqiang beim Besuch eines Waisenhauses.

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Auf die Frage eines Journalisten, was denn anders sei als Führer der kommunistischen Studentenvereinigung in der Universität Peking 1978 und als KP-Chef der Provinz von Liaoning fast 30 Jahre später, antwortete der 52-jährige Li Keqiang, dass er in der Uni nur studieren musste. „Jetzt muss ich beides, sowohl arbeiten als auch mich durch Studien weiterbilden. Sonst komme ich nicht voran.“ Das war vergangene Woche im Volkskongress. Li wusste da schon, wie weit er noch vorankommen würde – direkt in den Politbüro-Ausschuss.

Er war einst der Erste, der 1978 nach der Kulturrevolution an der Peking-Universität Jura studierte und dann im Fach Wirtschaft promovierte. Sein Doktorvater war einer der bekanntesten Wirtschaftsreformer, Li Yining. Li Keqiang kam im Juni 1998 als Vize-Parteichef in die Bauernprovinz Henan. Sechs Monate später war er Gouverneur. Da war der 1955 in Anhui geborene Li gerade 43 Jahre und Chinas jüngster Provinzchef. Als weitere Bewährungsstation bekam er 2004 die Schwerindustrieprovinz Liaoning, wegen ihrer maroden Staatsindustrien auch eine der Rostlauben Chinas genannt. Besonders erfolgreich war er bei der Sanierung von Slum-Stadtteilen. Die wichtigste Zeit für seine Karriere war aber die Zusammenarbeit mit Chinas damaligen Chef der Jugendliga 1983. Der hieß Hu Jintao und ist heute Chinas Parteichef. Li, der im Jugendverband arbeitete, gilt heute als sein Kronprinz.

Seine Zeit in Henan hinterlässt aber auch einen Schatten, weil die Provinz durch einen riesigen Aids-Skandal wegen illegaler Blutspende-Geschäfte mit Bauern ins Gerede kam. (erl, DER STANDARD, Printausgabe 23.10.2007)