Salzburg/Zuffenhausen/Wien – Über kurz oder lang dürfte der österreichische Porsche-Piëch-Clan die absolute Herrschaft bei Volkswagen übernehmen. Der deutsche Teil des Konzerns, die Sportwagenschmiede Dr. Ing. h.c. F. Porsche AG, hält über die im Juni gegründete Porsche Holding SE (Societas Europaea) jetzt bereits rund 30 Prozent der Aktien der VW AG. Ferdinand Piëch, Enkel des VW-Käfer-Erfinders Ferdinand Porsche, war zwischen 1993 und 2002 Vorstandschef bei Volkswagen und sitzt seit seinem Abgang als CEO dem Aufsichtsrat vor – und gibt die Konzernstrategie weiter mit eisener Faust vor.

Das Porsche-Reich besteht aus zwei Teilen: der Sportwagenschmiede in Stuttgart-Zuffenhausen (sie gilt heute als der profitabelste Autohersteller der Welt) sowie dem Autohandelshaus Porsche Austria mit Sitz in Salzburg und Tochterfirmen in West-, Mittel- und Südosteuropa, das im Vorjahr insgesamt 555.000 Autos im Groß- und Einzelhandel verkaufte (vor allem VW, Audi, Porsche, Seat, Skoda, Bentley, Lamborghini). Den Grundstein für die heutige Größe des Salzburger Hauses legte Louise Piëch, Schwester von Sportwagen-Konstrukteur Ferry Porsche und Mutter des heutigen VW-Herren. Die Familienmitglieder sind im operativen Geschäft nach Streitigkeiten in den 70er-Jahren nicht mehr vertreten. Ferdinand Piëch werkte zunächst als Techniker bei Porsche, machte aber dann bei VW-Tochter Audi Karriere. An den Unternehmen sind die Familienlinien paritätisch beteiligt.

Die Fantasie für Porsche beim VW-Einstieg besteht außer der alten Familienbande darin, dass der existenzbedrohende Druck auf einen reinen Sportwagenhersteller durch ein künftiges CO2-Regime insofern abgefangen werden würde, dass im Konzernverbund auch Spritspar-Modelle von VW in eine Gesamtrechnung einbezogen werden könnten. (szem, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 24.10.2007)