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"Anstatt, wie ehedem, aus Usus, Anstand und Weltekel mit 60+ den Löffel abzugeben, übernehmen die Großtastenhandy-Benutzer überall das Ruder", meint Una Wiener.

Foto: Reuters/JASON LEE

Das Gute zuerst: Die Welt ist schön. Anders lässt sich die stete Zunahme an unkaputtbaren Oktagenären nicht erklären. Anstatt, wie ehedem, aus Usus, Anstand und Weltekel mit 60+ den Löffel abzugeben, übernehmen die Großtastenhandy-Benutzer überall das Ruder. Urassen das Erbe, kaufen sich künstliche Hüftgelenke, blockieren die Gänge in ihren Seniorensupermärkten ("Neukauf 50+"), triezen gleichaltrige Bankberater und gerieren sich insgesamt lauthals als Zielgruppe.

Jugend, die alten Tatterer usurpieren eure Arbeitsplätze (schämen Sie sich Herr Ratzinger, Herr Napolitano!), sie beschlafen eure Frauen (Hoppauf, Herr Wlaschek!), kriegen eure Nobelpreise und bereichern sich, wie W. Buffett oder K. Kerkorian mit eurer Marie! Und die OPALS (Older People with active Life Styles) werkeln weltweit: Robert Mugabe tyrannisiert, Giscard d'Estaing bloggt, Hans Dichand klittert und Reich-Ranicki schwurbelt. Und laut Fortune Magazine gedenken auch 69 Prozent der befragten Amerikaner ihre berufliche Tätigkeit nie aufzugeben.

Der etwas inkonsequente Herr Schirrmacher (einerseits ein "Methusalem-Komplott" propagieren, die alte Dame FAZ andererseits auf jugendlich faceliften!) weiß Rat: "Wir müssen das Problem unseres Alterns lösen, um das Problem der Welt zu lösen."

Sollte dies trotz Pensionskürzungen, Jugendkult und neuen österreichischen Tabakgesetzes nicht gelingen, tröstet der eins a Kollateralvorteil dieser Gerontokratie (den ja auch die extrablonde Eva Herman nicht müde wird zu betonen): Wir sterben aus! In Eisenerz werden demnächst 700 Wohnungen plattgemacht, Italien wird um 2300 leer sein wie Flasche und in ostdeutschen Landen siedeln sich, mangels Konkurrenz, jetzt schon Wolf und Luchs wieder an.

Und wenn dann kurz vor unserer Extinktion immer noch altes Eisen in Österreich herumliegt: Don't worry, Magna, der alte Pensionistenkonzern, hat doch immer ein paar Stellen frei. (Una Wiener/Der Standard/rondo/25.10.2007)