Wien - Zwei ungewöhnliche Schwerpunkte beim Neue-Musik-Festival "Wien Modern" (1.11. bis 1.12.) neben zwei Komponisten-Porträts (Georg Friedrich Haas, Träger des Großen Österreichischen Staatspreises 2007, und Luciano Berio): Von 8. bis 11. November wird es keine Konzerte geben, dafür eine Filmschau des Niederländers Frank Scheffer. Und eine Ausstellung im Semper Depot widmet sich Klang erzeugenden Maschinen, u. a. dem Plattenspieler.

Die Bedeutung des Festivals werde "oft unterschätzt", sagte Konzerthaus-Leiter Bernhard Kerres am Mittwoch bei einer Pressepräsentation. Es gebe international "kein Festival einer solchen Größenordnung, das mit einem so kleinen Budget auskommt", betonte Kerres angesichts von einer Mio. Euro, die dem Festival - wenn man "großzügig aufrundet", so Festival-Kurator Berno Odo Polzer - insgesamt zur Verfügung stehen. Für das Geld zeige die Musikstadt Wien nun zum neunzehnten Mal, dass sie "nicht nur musealen Charakter" hat, sagt Kerres.

Abstrakte Konstruktionen und sinnliche Wahrnehmung

Das Eröffnungskonzert wird das Klangforum Wien gemeinsam mit Dirigent Beat Furrer bestreiten, am Programm stehen "Musik und Film in verdichteter Form" mit Stücken von unter anderem John Cage, Iannis Xenakis und Arnold Schönberg sowie Filmen von u. a. Man Ray und Bady Minck. Rund 80 Veranstaltungen an 18 Orten in und um Wien folgen, und laden - am besten mit dem wieder erhältlichen Generalpass ausgerüstet - zum Entdecken von Musik ein, "die man vorher noch nicht kennen konnte". Uraufführungen u. a. von Haas und Klaus Lang stehen im Konzerthaus und im Musikverein am Programm, bei "dschungel wien modern" (3. bis 18. November) wird den Kindern (ab 2 Jahren) und Jugendlichen die neue Musik nahe gebracht, unter anderem auch in die Brunnenpassage beim Yppenplatz und in die Peterskirche.

Einen Rückblick auf ein bereits bekanntes Werk wirft "Wien Modern" mit der Berio-Retrospektive. Der 2003 verstorbene Italiener gilt als Pionier der elektronischen Musik. Der 54-jährige Haas, dessen Oper "Melancholia" im Juni 2008 in Paris uraufgeführt wird, ist bekannt für seine experimentellen Arbeiten, die jedoch nah am Publikum bleiben: "Ich glaube nicht an abstrakte Konstruktionen, ich glaube an sinnliche Wahrnehmung", sagte Haas kürzlich. Mit dem Haas-Porträt will man die Position des Komponisten beleuchten, die "sich Haas auf sehr stille Weise erarbeitet hat", sagte Polzer.

Elektronische Instrumente und andere Klang erzeugende Maschinen seien "zu einem eigenen Genre geworden", betonte der Kurator angesichts der thematischen und in Lectures auch theoretischen Auseinandersetzung mit diesen Geräten und der Ausstellung im Semper Depot (15. bis 22. 11.) und in der Alten Schmiede (24. und 25. 11.). Acht Arbeiten - die Hälfte davon aus Österreich - werden auf verschiedenen Wien Modern-Bühnen präsentiert. Vor allem das DJing habe aus dem Plattenspieler ein eigenes Instrument gemacht, das beim "Turntable Festival" an drei Abenden von jeweils drei bis vier Künstlern bedient werden wird.

Mit den Arbeiten von Frank Scheffer, die in einer Retrospektive vom 8. bis 11. November im Konzerthaus zu sehen sein werden, werde ein "filmisches Oeuvre gezeigt, das wie kein anderes mit der Musik des 20. Jahrhunderts in Verbindung steht", sagte Polzer. Daher werde es, obwohl keine Konzerte stattfinden, eine "sehr musikalische Veranstaltung". Der Künstler hat sich unter anderem mit der Arbeit "Conducting Mahler" und Filmen über John Cage, Frank Zappa und auch über den Dalai Lama einen Namen gemacht.

Ebenfalls neu sind die Label Nights im "TAG" in der Gumpendorferstraße, die die auch fürs Festival zentrale Frage der Distribution neuer Musik behandeln. Im Rahmen von zwei Abenden werden das Wiener Plattenlabel "mosz" sowie das Berliner Label "staubgold" vorgestellt werden. (APA)