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Franz Jägerstätter

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Bundespräsident Heinz Fischer und Franziska Jägerstätter, Witwe des Kriegsdienstverweigerers (Foto unten), bei der Eröffnung des "Jägerstätter-Parks" am 8. August 2007 in Braunau.

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Franz Jägerstätter wird am Freitag, im Linzer Dom seliggesprochen. Für römische Verhältnisse auffallend rasch kam dazu nach zehn Jahren heuer das grüne Licht aus dem Vatikan. Offen bleibt, ob mit den hohen kirchlichen Ehren die Kritiker verstummen.

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Linz - Glanz und Glorie werden bei der großen Seligsprechung von Franz Jägerstätter am Freitag, im Linzer Dom den steinigen Weg der vergangenen Jahrzehnte zu den gebührenden Ehren des Kriegsdienstverweigerers aus St. Radegund im Innviertel wohl vergessen machen. Im Pomp der kirchlichen Feierlichkeiten stellt sich Österreich zumindest 64 Jahre nach dessen Hinrichtung durch die Nationalsozialisten geschlossen hinter Franz Jägerstätter. An unrühmliche Kapitel im nachkriegsgeschichtlichen Umgang mit einer der wohl bekanntesten österreichischen Symbolfiguren des Widerstands gegen den Nationalsozialismus will man sich nicht mehr erinnern.

Witwenrente erst ab 1950

Doch gebe es derer viele: So erfuhr Franz Jägerstätter erst mehr als ein halbes Jahrhundert später juristische Rehabilitation. Am 7. Mai 1997 hebt das Landgericht Berlin das Todesurteil gegen ihn auf, was rechtlich einem Freispruch gleichkommt. Doch auch Jägerstätters Frau Franziska bleibt Jahre nach dem gewaltsamen Tod ihres Mannes nicht von den zahlreichen Kontroversen verschont. Vielfach wurde der Vorwurf erhoben, sie sei am Tod ihres Mannes mitschuldig, weil sie ihn nicht von seiner Wehrdienstverweigerung abgehalten habe. Eine Witwenrente nach dem österreichischen Kriegsopferfürsorgegesetz wurde Franziska Jägerstätter erst 1950 zugesprochen, da ihr Mann nicht als Widerstandskämpfer anerkannt war.

"Kein Märtyrer"

Aber auch innerkirchlich scheint man sich im Fall Jägerstätter nicht ganz einig zu sein. In einem Interview mit der rechtslastigen Wochenzeitung "Zur Zeit" merkte Militärsuperior Siegfried Lochner an, dass "ein Märtyrer nach katholischer Lehre jemand ist, der aus Hass gegen den katholischen Glauben getötet wurde". So gesehen sei Franz Jägerstätter "ganz sicher kein Märtyrer der Katholischen Kirche", sondern ein "bedauernswertes Opfer seines irrenden Gewissens und der äußeren Umstände seiner Zeit, das heute - zum Teil in peinlich berührender Weise - politisch instrumentalisiert" werde, kritisierte der Militärpfarrer.

Grünes Licht aus dem Vatikan

Dennoch: Der römische Kurs ist klar. Zehn Jahre nach dem Start des Seligsprechungsverfahrens kam heuer am 20. Februar grünes Licht aus dem Vatikan. 30 Bischöfe und tausende Gläubige werden nun am Freitag zur Seligsprechung erwartet.

Enthauptung

Jägerstätter wird 1940 zum Wehrdienst einberufen. Als er 1941 zurückkommt, hat er den festen Entschluss gefasst, sich nicht mehr durch die Teilnahme an der ungerechten Kriegsführung des "Dritten Reiches" zu versündigen. Das Reichskriegsgericht in Berlin verurteilt Franz Jägerstätter wegen "Wehrkraftzersetzung" zum Tod. Am 9. August 1943 wird der damals 36-jährige Familienvater in Brandenburg an der Havel enthauptet. (Markus Rohrhofer/DER STANDARD Printausgabe 25.10.2007)