Raumfahrtbehörde hielt Daten über Befragung von Piloten der Zivilluftfahrt zurück Washington - Aus Angst, Flugpassagiere zu verunsichern, hält die US-Raumfahrtbehörde Nasa offenbar eine brisante Studie zur Flugsicherheit zurück. Medienberichten zufolge hat eine Umfrage unter Piloten ergeben, dass Sicherheitsprobleme wie Beinahe-Kollisionen häufiger vorkommen als offiziell angegeben.

Studienergebnisse

Die Nasa erlangte diese Informationen aus Telefoninterviews mit rund 24.000 Piloten, diese berichteten über ihre Erfahrungen im Cockpit. Das Projekt, das umgerechnet rund sechs Millionen Euro kostete und beinahe vier Jahre lang andauerte, wurde vor mehr als einem Jahr beendet. Seitdem habe es die Raumfahrtbehörde abgelehnt, diese Studie zu veröffentlichen, berichtete die US-Nachrichtenagentur Associated Press (AP). Die Agentur hatte dies am Montag aufgedeckt. Die Nasa soll daraufhin zugesagt haben, neu zu erwägen, wie viel von den Studienergebnissen der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden könnten.

Vor einer Woche hatte die Nasa den AP-Informationen zufolge die Organisatoren der Studie angewiesen, alle damit in Verbindung stehenden Daten von ihren Computern zu löschen. Ein Nasa-Sprecher dementierte dies. Der US-Kongress kündigte eine Untersuchung an und verlangte nun von der Nasa, die Zerstörung der Datensätze einzustellen. Nasa-Chef Michael Griffin sagte, er habe die Aufbewahrung aller Daten bereits angeordnet.

Ergebnisse schaden Fluglinien

Ein hochrangiger Nasa-Mitarbeiter gab aber zu, dass die Enthüllung der Befragungsergebnisse dem Vertrauen der Öffentlichkeit in die Fluglinien schaden und die Profite der Airlines in Mitleidenschaft ziehen könnte. Demnach zeigt die Studie, dass die Piloten Beinahe-Kollisionen, Zusammenstöße mit Vögeln und gefährliche Zwischenfälle auf den Start- und Landebahnen mindestens doppelt so oft registrieren als offizielle Berichte zeigen. Auch die Zahl von potenziell gefährlichen, in letzter Minute erfolgten Anweisungen an die Piloten, die Landepläne zu ändern, soll höher als erwartet sein.

Zweifel an der Methode

Beamte der US-Luftfahrtbehörde FAA äußerten Zweifel an der Methode der Untersuchung, die Fragestellung sei nicht detailliert genug. Ein Sprecher des Luftfahrtindustrieverbands sagte, nicht in Kenntnis der Studienergebnisse zu sein. Er betonte allerdings, dass das US-Flugsystem sicher sei. (AP, Reuters/ DER STANDAERD Printausgabe 25.10.2007)