Washington - Vom Debakel nach Hurrikan Katrina vor zwei Jahren hat George W. Bush offensichtlich gelernt. Diesmal wartete der Präsident nicht auf einen telefonischen Hilferuf, sondern griff selbst zum Hörer.
*****

Der kalifornische Gouverneur Arnold Schwarzenegger bat Dienstag um zwei Uhr Früh das Weiße Haus offiziell darum den Notstand in Südkalifornien auszurufen. Dies ist Voraussetzung, damit Bundesmittel fließen. Nur gut eine Stunde später wurde dem Ersuchen stattgegeben. Daraufhin schickte das Pentagon Helikopter und Truppen zur Brandbekämpfung in die Katastrophengebiete.

"Voll auf der Höhe der Ereignisse"

Auch Heimatschutzminister Michael Chertoff und der Chef der Behörde für Katastrophenmanagement (FEMA), David Paulison, waren auf dem Weg. Bush selbst folgte ihnen am Donnerstag und wäre, wie es in seiner Umgebung hieß, gerne noch früher gekommen. Aber er hielt es für unangemessen, die Feuerbekämpfung durch Wirbel um seine Anwesenheit zu stören. In dieser Krisensituation präsentiert sich ein anderer Bush als Anfang September 2005. Chertoff bezeichnete ihn als "voll auf der Höhe der Ereignisse".

Nach Katrina: Konfusion und Missmanagement

Als vor zwei Jahren in und um New Orleans nach Hurrikan "Katrina" die Fluten stiegen, hunderte Menschen ertranken und tausende - zumeist Schwarze - tagelang unter unwürdigen Bedingungen im Stadion der Stadt campierten, ließ sich der Präsident, wie es schien, alle Zeit der Welt. Weil die Lage zunächst völlig unterschätzt wurde, dauerte es Tage, bis umfassende Bundeshilfe anrollte, die FEMA bot ein jämmerliches Bild der Konfusion und des Missmanagements.

Auch während seiner späteren Besuche in der Krisenregion fiel Bush durch unbeholfen wirkende Image-Reparaturversuche auf und machte so den Schaden noch größer. Dieses Desaster verfolge den Präsidenten bis heute, trotz aller Bemühungen um eine gründliche Reform der FEMA, merkte die "Los Angeles Times" vor dem Bush-Besuch in den Brandgebieten an. Keine Angriffsfläche bieten

Ein Regierungsbeamter selbst räumte ein, im Weißen Haus sei man sich dessen bewusst, "dass man uns bei dieser (Brand)Katastrophe genau auf die Finger schaut". Vor diesem Hintergrund war die Regierung offensichtlich geradezu peinlichst bemüht, keine Angriffsflächen zu bieten.

Daher erschien etwa Bush-Sprecherin Dana Perino am Dienstag zur täglichen Pressekonferenz mit Schaubildern, um das Ausmaß der bereits geleisteten Washingtoner Hilfen zu demonstrieren - von der Entsendung von über 1.300 Bundesfeuerwehrleuten bis hin zur Lieferung von 25.000 Feldbetten für Feuer-Vertriebene. "Wir haben wirklich aus "Katrina" gelernt", versichert der Heimatschutzminister.

"Wie kann ich helfen?"

Zu den Hauptlehren gehört nach seinen Worten, "dass man nicht wartet, bis man gefragt wird, sondern selbst fragt: Wie kann ich helfen?". "Wir haben wirklich alles gut koordiniert", klopfte sich Bush nach einer seiner zahlreichen Telefonkonferenzen mit Schwarzenegger, Chertoff und Paulison selbst auf die Schulter.

Hurrikan Katrina und Buschbrände nicht vergleichbar

Mittlerweile kam sogar Lob von den Demokraten. Einige Veteranen sehen auf dem Gebiet des Katastrophenschutzes und -managements weniger Grund für Selbstzufriedenheit am Potomac. Sie verwiesen zum einen darauf, dass sich das Ausmaß der Zerstörung in Kalifornien mit dem durch "Katrina" überhaupt nicht vergleichen lasse.

Denn "Katrina" hat ein Gebiet von der Größe Großbritanniens verwüstet, während die Flammen auf einer Fläche von der doppelten Größe Berlins wüteten. In Kalifornien wurden bis Donnerstag 1.600 Häuser zerstört, durch "Katrina" etwa 300.000. Naturgemäß seien in erster Linie die kalifornischen Behörden für die Koordinierung der Maßnahmen zuständig gewesen, und ihnen gelte vorrangig das Lob, meinten die Veteranen. Ihr Fazit: Die Feuerprobe für Washington steht damit noch aus. (dpa/APA)