Paris - Um Punkt 19.55 Uhr lag der Eiffelturm im Dunkeln. Finsternis auch im Elyséepalast, dem Amtssitz von Präsident Nicolas Sarkozy, sowie in tausenden Gebäuden in Paris. Die fünf-minütige Klimaschutz-Aktion soll den Gegenwert von zehn Millionen Glühbirnen eingespart haben und war der Auftakt des nationalen Umweltgipfels, der mit einer Rede Sarkozys über sein Regierungsprogramm in der Umwelt- und Klimapolitik am Donnerstagnachmittag zu Ende ging. Ziel ist eine milliardenschwere Gesetzesinitiative, mit der Sarkozy sein Land im Kampf gegen die Erderwärmung zur Speerspitze trimmen will.Anteil der erneuerbaren Energien auf 20 Prozent anheben Zunächst hat sich die Gipfel-Runde aus Umweltschützern, Regierungs- und Interessenvertretern grundsätzlich auf ein Maßnahmenpaket geeinigt. Zu den wichtigsten Ergebnissen des zweitägigen Verhandlungsmarathons zählen Maßnahmen zur Isolierung von Gebäuden: Allein dafür ist ein Budget von mehr als 20 Milliarden Euro vorgesehen. Bis zu 180.000 Arbeitsplätze könnten Schätzungen zufolge in diesem Bereich geschaffen werden. Entsprechend den Beschlüssen auf EU-Ebene soll der Anteil der erneuerbaren Energien am Energiemix auf 20 Prozent angehoben werden. Einziger Wermutstropfen für Umweltorganisationen wie Greenpeace: Ihre Forderung, dafür den Anteil der Kernenergie zu verringern, bleibt unerfüllt. "Frankreich verzeichnet eine Überproduktion an Elektrizität", kritisiert Yannick Rousselet von Greenpeace. Dennoch plane das Land den Bau eines weiteren Kernkraftwerks. "Grüne Revolution"

Vor allem bei ihrer Forderung eines Moratoriums auf genveränderte Pflanzen hat die Umweltorganisation dagegen einen Etappensieg erzielt. Doch das umstrittene Thema ist nicht vom Tisch: Sarkozy will Genpflanzen keineswegs völlig verbieten. Das Moratorium gilt nur bis zu einer neuen gesetzlichen Regelung Anfang nächsten Jahres.

Bis Ende des Jahres will Sarkozy aus dem Maßnahmenpaket etwa 15 Programme auswählen und dann in Gesetzesform dem Parlament vorlegen. Frankreichs "Omnipräsident", der seit seinem Amtsantritt im Mai in seinem Reformeifer so ziemlich jedes Politikfeld beackert, verspricht eine "grüne Revolution". "Frankreich war bisher nicht besonders ehrgeizig auf diesem Gebiet, das soll sich jetzt ändern", sagte er.

Noch bis zu seiner Wahl hatte Sarkozy Umweltfragen eher vernachlässigt - im Gegensatz zu seinem Vorgänger Jacques Chirac. Schon bei der Regierungsbildung kam dann der Schwenk: Sarkozy machte seinen Umweltminister gleichzeitig zum Vizepremier, mit Zuständigkeiten in der Verkehrs- und Energiepolitik. Als "Superminister" gehört Jean-Louis Borloo nun zu den einflussreichsten Kabinettsmitgliedern.

Kurze Zeit später berief Sarkozy dann zur Vorbereitung seiner neuen Klimaschutzpolitik eine besondere Art von Diskussionsplattform ein: den "Grenelle", benannt nach einem Verhandlungsort an der Pariser Straße Rue de Grenelle. Dort war es dem damaligen Premierminister Georges Pompidou auf dem Höhepunkt der Studentenunruhen im Mai 1968 gelungen, Gewerkschaften und Arbeitgeber an einen Tisch zu bringen. Mit seinem "Grenelle" hat Sarkozy nun auch die Umwelt- und Verbraucherschutzorganisationen ins Boot geholt - die ihn im Wahlkampf noch kritisiert hatten.

Für die ersten Beschlüsse des "Grenelle" hat die Regierung Lob von den Aktivisten geerntet: Im Energiebereich beispielsweise seien die Pläne mit Blick auf die Herausforderung des Klimawandels "auf der Höhe", freut sich Yannick Jadot von Greenpeace Frankreich. Eine endgültige Bilanz dürften die Umweltorganisationen jedoch erst Ende des Jahres ziehen, wenn Sarkozy seine Pläne ausformuliert und beziffert hat. (APA)