Hermann Maier purzelte in den Winter 1996/1997 mit einem herzerwärmenden Sturz in Chamonix. Er liebte sich und den Erfolg total, und lehnte jede Rücksicht auf sich radikal ab, setzte die Imagepflege mit dem Riesenstern in Nagano 1998 fort. Bis in die USA war er als fliegender Mensch berühmt, er festigte den Ruf des Österreichers als kernigen Naturburschen. „Wenn ich das überlebe, bin ich unsterblich“, soll er sich während des Fluges gedacht haben. Ob das stimmt oder ein Schmäh ist? Jedenfalls ist es wahr. Wenige Tage später holte er sich die Olympiasiege im Super-G und im Riesenslalom. Er sammelte Gesamtweltcupsiege und Weltmeistertitel und legte 2001 mit einer Motorradbrezn imagemäßig und marktwertmäßig ein Schäuferl nach. Seit zehn Jahren zischt Maier durch den Winter und lädt zum Entzücken eines Publikums, das weit über den Interessentenkreis der Randsportart Skisport reicht, die Rennen mit den Elementen des männlichen Melodrams auf. Der österreichische Filmemacher Ulrich Seidl hat den Zeitgeist auf eine griffige Formel gebracht: „Import Export“. Jeder ist dem Nächsten und dem Fernsten ein Beispiel, ein Zeichen, Vorbild und Warnung. Ein Wiener Lausbub für eine ukrainische Krankenschwester, eine kosovarische Asylantin für einen österreichischen Minister, ein Salzburger Skifahrer für eine japanische Geisha. Maier ist wahr und virtuell, ein bodenständiger Sportheld und ein heimatloser Star, ein Macho und eine Marke. Aus der Welt da draußen wird viel Böses importiert. Maier und seine Kollegen exportieren eine neoalpine Idylle in die Welt, sie schützt das Land vor der Kälte und ein Geschäft ist sie auch noch. (Johann Skocek - DER STANDARD PRINTAUSGABE 27.10. 2007)