Antoine Bernheim, 83-jähriger Generali-Präsident, steht unter Beschuss.

Foto: Generali
Präsident Bernheim gerät unter Druck, zumal auch größere Aktionäre mit der Führung unzufrieden sind.

***

Europas drittgrößter Versicherungskonzern ist in das Kreuzfeuer der Kritik geraten. Nachdem der britische Hedgefonds Algebris das Generali-Management aufgefordert hat, durch Übernahmen mehr Wert zu schaffen und die Corporate Governance zu reformieren, kommt nun auch von anderen Aktionären Kritik an der "veralteten und überbezahlten" Konzernführung.

Generali-Großaktionär Romain Zaleski befürwortet die Initiative der Briten. Und bei der Bank-Austria-Mutter, der Mailänder UniCredit, heißt es, dass ein wertorientierteres Denken bei Generali nicht schaden würde. Alles was den Wert steigere, sei positiv. Die Generali-Aktien haben aufgrund des "offenen Briefs" der Briten in dieser Woche bis zu zehn Prozent zugelegt.

Greiser Präsident

Dass das Alter des 83-jährigen Generali-Präsidenten Antoine Bernheim laut dem Hedgefonds ein Hindernis für eine langfristige Strategie sei, wurde bei UniCredit nicht dementiert. Die Bank ist bereit, ihre Beteiligung zu verkaufen. Zwar hat Bernheim den Titel eines "Non Executive Chairman" - eines nicht operativen Vorstandschefs -, in der Praxis ist er aber der eigentliche Drahtzieher beim Versicherer. Dafür verdiente er im Vorjahr 4,9 Mio. Euro. Das ist mehr als das Zehnfache seines Kollegen bei der Allianz (294.000 Euro) und das Vielfache des Axa-Chefs (557.000 Euro).

Auch die beiden Bernheim-Vasallen, die Vorstände Giovanni Perissinotto und Sergio Balbinot, sind nach Ansicht der Briten zu teuer. Algebris fordert nicht nur eine leistungsorientierte Vergütung, sondern auch ein schlankes Management.

Die Frage ist, inwieweit der von den beiden Ex-Investment-Bankern Eric Halet und Davide Serra gegründete Fonds mit einer nur 0,3-prozentigen Beteiligung bei dem behäbigen Versicherer aus Triest eine Trendwende einleiten kann. Am 31. Oktober wird Generali seine Quartalsergebnisse bekanntgeben. Möglicherweise kommt auch ein Signal für künftige Zukäufe, die bislang immer nur versprochen, aber kaum umgesetzt wurden. Algebris zählt zum Einflussbereich von Chris Hohn, der mit seinem Hedgefonds TCI in den letzten Monaten eine erfolgreiche Attacke auf die niederländische Großbank ABN Amro und auf die Deutsche Börse startete. Generali ist zwar der drittgrößte Versicherer Europas, mit einer Marktkapitalisierung von 44 Mrd. Euro hinkt sie den Konkurrenten Allianz und Axa aber nach. Dass der Präsident zurücktritt, ist kaum anzunehmen. (Thesy Kness-Bastaroli aus Mailand, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 27./28.10.2007)