Sölden - Unmittelbar vor dem Weltcup-Auftakt in Sölden haben Aussagen von ÖSV-Trainer Andreas Evers über angebliche Versäumnisse im österreichischen Herren-Nachwuchsbereich für Gesprächsstoff gesorgt. Evers hatte zuletzt auch gegenüber dem Schweizer Massenblatt "Blick" gemeint, dass man sich im ÖSV zu lange auf den Lorbeeren der großen Generation rund um Hermann Maier, Stephan Eberharter und Co. ausgeruht und daher Nachwuchs-Probleme habe.

Dass laut Evers die Schweizer Daniel Albrecht und Marc Berthod zusammen mit dem ebenfalls noch nicht 25-jährigen, norwegischen Weltcup-Gesamtsieger Aksel Svindal in den kommenden Jahren das Maß der Dinge im Skiweltcup sein würden, hatte der österreichische Erfolgscoach davor schon mehrmals gesagt. Im ÖSV-Nachwuchs habe man aber wichtige Entwicklungen verschlafen und dieselben Fehler gemacht wie früher die Schweizer, so Evers laut "Blick".

Er habe dies nicht so explizit gesagt, meinte Evers dazu. Außerdem sei er in diesem Telefon-Interview lediglich gebeten worden, den Schweizern Druck zu machen, erklärte der als Coach unumstrittene Chef der österreichischen Speed/Kombi-Gruppe, der früher als Privattrainer von Hermann Maier und später als Trainer der Elitegruppe WC4 mit u.a. Maier, Benni Raich, Michael Walchhofer, Mario Matt usw. für eine großen Teil der Riesenerfolge im ÖSV in den vergangenen Jahren hauptverantwortlich zeichnet.

Evers war die Aufregung sichtlich unangenehm. Er stehe prinzipiell über solchen Dingen und wolle der Story nicht zu viel Bedeutung beimessen. Tatsächlich hatten die erfolgsverwöhnten ÖSV-Herren im vergangenen Winter einige Schlappen hinnehmen müssen, wobei die Verbandsführung in erster Linie die vielen Rücktritte arrivierter Läufer in den vergangenen Jahren hauptverantwortlich dafür gemacht hatte.

Ein aufmerksamer Blick, so Evers, könne also ohnehin nie schaden. "Vielleicht sind bei uns einige einfach zu früh hinaufgehoben worden. Junge Läufer müssen aber hungrig bleiben." Zudem verfüge man beim ÖSV mit Mario Scheiber und Baumann durchaus über gleichaltrige Läufer mit ähnlichem Potenzial. "Nur ist Mario halt durch eine ganz schwere Verletzung gebremst worden."

Auch ÖSV-Alpinchef Hans Pum wollte das Interview nicht aufbauschen, suchte aber das rasche Gespräch mit Evers. "Ich muss mit Andi erst klären, in welchem Zusammenhang er das gesagt hat." Gemeint sei wohl die Lücke, die vergangene Saison im Riesentorlauf zwischen Raich und dem Rest des ÖSV-Teams entstanden sei, so Pum. "Das hatte aber auch mit den vielen Materialwechseln zu tun. Außerdem gibt es bei allen großen Ski-Nationen immer Disziplinen, in denen es nicht so läuft", ist Pum überzeugt. (APA)