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Die neuerlichen schweren Kämpfe in Mogadischu haben eine weitere Massenflucht ausgelöst.

REUTERS/Feisal Omar
Mogadischu/Baidoa - Die vollständig von äthiopischer Militärhilfe abhängige somalische Übergangsregierung des Präsidenten Abdullahi Yusuf Ahmed steht offenbar vor dem Kollaps. Premierminister Ali Mohamed Gedi ist nach den blutigen Kämpfen in der Hauptstadt Mogadischu vom Wochenende von seinem Amt zurückgetreten, wie am Montag mitgeteilt wurde. Ein Vertrauter Gedis sagte, der Präsident habe zuvor versucht, Druck auf das Übergangsparlament auzuüben, um ein Misstrauensvotum gegen den Premier herbeizuführen. Abdullahi Yusuf und Gedi gehören verfeindeten Clans an, der Präsident ist ein Darod, der Premier ein Hawiye.

Das aus Vertretern von verschiedenen Clan-Führern und Warlord-Milizen zusammengesetzte somalische "Übergangsparlament" hatte bereits im Jänner seinen Vorsitzenden, Sharif Hassan Sheikh Aden, gestürzt. Am Wochenende war es im Zentrum von Mogadischu zu heftigen Gefechten zwischen islamistischen Kräften und äthiopischen Interventionstruppen gekommen. Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) hatte den Konfliktparteien "zügellose Kriegsverbrechen" vorgeworfen. Die äthiopischen Truppen und ihre somalischen Verbündeten seien ebenso wie die Islamisten verantwortlich für "massives Leiden der Zivilbevölkerung".

Massenflucht

Die neuerlichen schweren Kämpfe zwischen islamistischen Kräften und äthiopischen Interventionstruppen in Mogadischu haben eine weitere Massenflucht aus der somalischen Hauptstadt ausgelöst. Vor allem aus den südlichen Stadtteilen und dem Gebiet des Bakara-Marktes flüchteten zahlreiche Menschen, nachdem der nominelle Bürgermeister Mohamed Omar Habeb am Sonntagabend die Zivilbevölkerung zum Verlassen dieser Viertel aufgefordert hatte.

Nach der äthiopischen Militärintervention vom Dezember 2006 und schweren Kämpfen im Frühjahr waren bis zu einer halben Million Menschen in die Flucht getrieben worden. Erst vor wenigen Tagen waren vor der jemenitischen Küste nach Angaben des UNO-Flüchtlingshochkommissariats Dutzende von Flüchtlingen ertrunken. In Mogadischu war vor zehn Tagen der unabhängige Journalist und Direktor des privaten Rundfunksenders "Radio Shabelle", Bashir Nur Gedi, von bewaffneten Angreifern erschossen worden. Im September war das Gebäude des Senders von Regierungstruppen belagert und gestürmt worden, die anschließend 14 Journalisten festnahmen.

Seit der Eroberung der Hauptstadt durch äthiopische Truppen Anfang des Jahres sind in dem ostafrikanischen Bürgerkriegsland ein Dutzend Journalisten festgenommen worden. Am 11. August waren Ali Iman Shermarke, Chef der Pressegruppe "HornAfrik", und Mahad Ahmed Elmi, Direktor des Senders "Radio Capital Voice", in Mogadischu ermordet worden. (APA/Reuters)