Roísín Murphy: "Overpowered" (EMI 2007)

Albumcover: EMI
Roísín Murphy ist noch immer besser bekannt als die Sängerin von Moloko denn als eigenständige Interpretin. Mit Overpowered hat sie nach Ruby Blue (2005) nun ihr zweites Album veröffentlicht. Und darauf beweist sie einmal mehr ihren Eigensinn und ihre Eigenständigkeit. Kaum etwas erinnert noch an Moloko und die langjährige Zusammenarbeit mit Mark Brydon. Und es hebt sich auch klar von ihrem ersten Solo-Album ab. Den Plattenvertrag mit EMI hat sie, laut Booklet, deshalb bekommen, weil sie das Management an Robbie Williams erinnert hat.

Overpowered ist ein Disco-Album, das die Soundästhetik der achtziger Jahre hoch leben lässt. Schon lange nicht mehr so viele Syntheziser im Disco-Beat gehört. Auch wenn das beim ersten Reinhören simple mit einer Tendenz zur Oberflächlichkeit – eben disco-mässig – wirkt, so fehlt dem Album keines der Attribute, die man bisher mit Roísín Murphy in Verbindung gebracht hat: voll Leichtigkeit, schräg und ausgeklügelt.

Ruby Blue machte Murphy gemeinsam mit Matthew Herbert und seine Handschrift war deutlich zu lesen. Für ihr neues Album wollte sie sich nicht mehr nur auf das Können eines Einzelnen verlassen. Diesmal wollte sie „das Beste von vielen verschiedenen Musikern“ bekommen. Die Streicher wurden in Philadelphia aufgenommen, die Songs verfasste sie in Miami, London oder Barcelona, produziert wurde in Sheffield und das Mastering wurde in New York gemacht. Auf unterschiedliche Weise unterstützt wurde Murphy dabei von Musiker wie Seiji, Andy Cato (Groove Armada), Jimmy Douglass oder Larry Gold.

Genauso „Welt umspannend“ von verschiedenen Seiten zum Album beigetragen wurde, genauso weit reichend sind auch die musikalischen Einflüsse. Dancepop trifft auf jazzige Nuancen, gefolgt von deepem Housebass übergeleitet zu sphärischen Streichern und orchestralem Soundgerüst, als roter Faden zieht sich der Disco-Beat durch. Overpowered versprüht Glitter mit jedem Song und könnte der Beginn für ein Disco-Revival werden. (ost)