Infografik: Mögliche Maßnahmen für mehr Gerechtigkeit

Grafik: STANDARD
Jeder vierte Österreicher hat nach eigenem Bekunden nichts davon, dass es derzeit kräftiges Wirtschaftswachstum gibt. 21 Prozent der Männer und sogar 32 Prozent der Frauen sagten bei einer Umfrage des Linzer market-Instituts, dass sie "sicher nicht" vom Wirtschaftswachstum profitieren würden.

Umgekehrt sagen nur fünf Prozent, dass sie "auf jeden Fall" zu den Profiteuren des Wirtschaftswachstums gehörten. Weitere 28 Prozent meinen, "eher schon" zu profitieren – demgegenüber sagen 36 Prozent, dass sie "eher nicht" zu den Gewinnern des Aufschwungs gehören.

"Damit zählt sich ein Drittel der Österreicher mehr oder weniger deutlich zu den Gewinnern, und 63 Prozent meinen, wenig bis gar nichts davon zu haben, dass die Wirtschaft wächst. Das sind deutlich bessere Werte, als sie in Deutschland vom Infratest für die ARD erhoben worden sind", sagt David Pfarrhofer von market. Die deutschen Zahlen: Derzeit sehen sich nur 21 Prozent der Deutschen mehr oder weniger deutlich als Gewinner des Aufschwungs, 78 Prozent meinen, ihn kaum zu spüren.

Vor allem Ältere fühlen sich benachteiligt

Was Pfarrhofer bei den österreichischen Daten auffällt: "Es ist ganz deutlich, dass es vor allem die älteren Befragten sind, die sich vom Wirtschaftsaufschwung ausgeschlossen fühlen. Bei den Befragten über 50 Jahren sagen 40 Prozent, sie spürten gar nichts, und weitere 38 Prozent, sie hätten 'eher nichts' davon."

Dagegen ist bei den Befragten unter 30 beinahe jeder Zweite subjektiv ein Gewinner des Wachstums. Weit überdurchschnittlich ist das Gefühl, auf der Gewinnerseite zu sein, auch in der höchsten Bildungsschicht, bei den leitenden Angestellten und Beamten sowie bei bekennenden Anhängern der ÖVP.

Lohnniveaus sollen angeglichen werden

Konkret gefragt, was mehr Gerechtigkeit schaffen könnte, sagt eine klare Mehrheit der Österreicher, dass dafür das Lohnniveau von Frauen und Männern angeglichen werden müsste: Der Grafik ist zu entnehmen, dass zwei Drittel der Österreicher dieses Instrument für "sehr geeignet" halten. Der Wunsch geht quer durch alle Bevölkerungskreise, wird aber besonders deutlich von Grün-Wählern artikuliert.

Der Wunsch nach mehr finanzieller Unterstützung für Familien rangiert – von allen Gruppen etwa gleich stark getragen – an zweiter Stelle. Keine Mehrheit gibt es für höhere Unternehmenssteuern; diese finden am ehesten gewisse Sympathien unter SPÖ-Wählern und sie stoßen bei Grün-Wählern auf die stärkste Ablehnung.

Beinahe zwei Drittel der Österreicher lehnen eine Ausweitung des Bezugs von Arbeitslosgengeld als Instrument für mehr Gerechtigkeit ab. (Conrad Seidl, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 29.10.2007)