Andrej Brodnik, Leiter von BlackRock Merrill Lynch in Deutschland, glaubt an ein weiteres Steigen der Rohstoffpreise. Für Japan wächst der Optimismus.

Foto: BlackRock
Im Gespräch mit Bettina Pfluger erklärt er, warum Depots von globalen Risiken betroffen sind.

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STANDARD: Wie stark hat BlackRock und Merrill Lynch die US-Subprimekrise getroffen?

Brodnik: Unsere Kunden waren davon kaum betroffen. Es war ja bekannt, dass viele dieser Darlehen fällig werden. Und dass die Situation von den gestiegenen Zinsen belastet wird, war auch nicht neu. Daher haben wir vorzeitig zum Ausstieg geraten. Die Welt ist globaler geworden, die Depots müssen daher laufend auf solche Risiken hin überprüft werden.

STANDARD: Ist diese Krise schon ausgestanden?

Brodnik: Unserer Meinung nach nicht. Die Spitze werden wir im kommenden Jahr sehen. Wenn neue Darlehen vergeben werden, wird sich zeigen, ob die Pläne zur Risikovorsorge wirklich gegriffen haben. Der US-Konsument hat dadurch - und durch den hohen Ölpreis - aber weniger Geld zur Verfügung. Der schwächere US-Konsum wird aber vom guten Weltwirtschaftswachstum abgefangen. Grobe Auswirkungen erwarten wir daher nicht.

STANDARD: Stichwort Ölpreis: Er jagt einen Rekord nach dem anderen.

Brodnik: Das ist richtig, wir werden bald 100 Dollar pro Barrel sehen. Auch, weil die Nachfrage nach Rohöl rasch steigt. Der ganze Rohstoffsektor ist seit fünf Jahren im Aufwärtstrend - davor war 25 Jahre lang Bärenmarkt. Diese Story ist noch lange nicht vorbei.

STANDARD: Und die Entwicklung beim Goldpreis?

Brodnik: Auch hier werden wir einen weiteren Preisanstieg sehen. Ich halte 1000 Dollar pro Feinunze für möglich. Vergangene Woche kletterte der Goldpreis auf 770 Dollar und war damit so teuer wie seit 28 Jahren nicht mehr. Der Weg auf 1000 Dollar ist also nicht mehr weit.

STANDARD: Ist BlackRock stark im heimischen ATX investiert?

Brodnik: Der österreichische Kapitalmarkt hat für uns im globalen Kontext nur eine geringe Bedeutung. Der Markt hat sich in den vergangenen Jahren aber sehr gut entwickelt und ist daher interessant. Einzelne Titel haben wir in unseren Europa-Fonds, auch, um das Thema Osteuropa ins Portfolio zu holen.

STANDARD: Ihr Ausblick für 2008?

Brodnik: Der globale Ausblick ist positiv. China ist mit einem KGV von rund 60 allerdings zu teuer. Für Japan steigt unser Optimismus. Die Dividendenrendite ist derzeit höher als die Anleihenrendite. So eine Situation haben wir bisher dreimal beobachtet, und es hat sich immer positiv auf die Aktien ausgewirkt. Das Potenzial in Japan ist vorhanden, der Konsum nimmt zu, die Immo-Preise steigen. Oder wie es einer unserer Fondsmanager ausdrückt: "Die Stimmung im Land steigt täglich."

STANDARD: Was haben die Anleger von der Fusion von BlackRock mit Merrill Lynch?

Brodnik: Wir sind damit zu einem Komplettanbieter geworden. BlackRock war spezialisiert auf institutionelle Rentenfonds, Merrill Lynch auf globale Aktienfonds. Jetzt haben wir das ganze Angebot unter einem Dach, sind einer der größten Asset-Manager.

STANDARD: Ist die Fusion schon vollkommen abgeschlossen?

Brodnik: Auf der Produktebene sind wir schon eine Einheit. Es gibt aber noch technische Feinheiten zu lösen. Wir haben noch unterschiedliche Kundendatenbanken, die zusammengeführt werden müssen. In Summe hat die Fusion aber sehr schnell funktioniert.

STANDARD: Ist das auch im verwalteten Volumen abzulesen?

Brodnik: Ja. Im vergangenen Jahr hatten wir 1050 Milliarden "assets under management" (verwaltetes Vermögen, Anm.), per 30. September 2007 waren es 1300 Milliarden. Wir haben also während der Fusion 250 Milliarden einsammeln können. Das ist gigantisch.

STANDARD: Wie läuft der Vertrieb von BlackRock/Merrill-Lynch-Produkten in Österreich?

Brodnik: Der österreichische Markt hat sich für uns gut entwickelt. Wir sind seit Mai daher auch mit einem eigenen Büro vor Ort. Wir verwalten rund zwei Milliarden Dollar aus Österreich. Der "US-flexible Fund" ist hier derzeit das beliebteste Produkt. Der Wegfall der Sicherungssteuer vor zwei Jahren hat sich positiv auf unser Neugeschäft und auf den Vertrieb im Retail ausgewirkt. (Mit dem Fall der 1,5-prozentigen Sicherungssteuer auf Fonds von nicht österreichischen Anbietern wurden in- und ausländische Investmentfonds steuerlich gleichgestellt; Anm.) (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 29.10.2007)