Belgrad - Die Föderation der jüdischen Gemeinden Serbiens hat gegen die Verbreitung antisemitischer Publikationen auf der Internationalen Buchmesse in Belgrad protestiert. In einem Schreiben an die Messedirektion vom vergangenen Freitag hieß es unter anderem: "Wir verlangen, dass Bücher antisemitischen Inhalts aus dem Verkehr gezogen werden und dass man in Zukunft solche Vorkommnisse verhindert." Gleichzeitig wurde der Protest an das serbische Kulturministerium und den Rat für nationale Minderheiten gerichtet.

Es sei wohl eine "bittere Ironie", dass die serbische Buchmesse mit dem 20. Jahrestag des Todes des italienischen Schriftstellers, antifaschistischen Widerstandskämpfers und Auschwitz-Überlebenden Primo Levi zusammenfalle, erklärte die jüdische Organisation, die vor allem an den in der Vergangenheit verbotenen "Protokollen der Weisen von Zion" Anstoß nahm, welche von einem privaten serbischen Verlag neu herausgebracht worden sind. Die vom zaristischen russischen Geheimdienst fabrizierten "Protokolle" aus dem 19. Jahrhundert geben vor, Geheimdokumente einer jüdischen Weltverschwörung zu sein. Das Machwerk war in den frühen Neunzigerjahren des vergangenen Jahrhunderts in Serbien neu erschienen und vom damaligen Regime von Präsident Slobodan Milosevic verboten worden.

Im Rahmen der Buchmesse ist der neu geschaffene, nach dem serbischen Schriftsteller und Philosophen Dositej Obradovic (1739-1811) benannte Preis dem Klagenfurter Verleger Lojze Wieser verliehen worden. (APA/Tanjug)