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Aus der Herbst-Winterkollektion von Christopher Kane.

Foto: APA/AP/Alastair Grant
Vor ein paar Tagen kam Christopher Kane erst von der Pariser Modewoche zurück, heute Abend ist er einer der Stars des Londoner Mega-Events "Fashion Rocks", morgen in der Früh geht's gleich weiter nach Tokio. Die Modewelt scheint momentan nicht genug zu bekommen vom jungen Designer aus Glasgow, der neben der französischen Vogue-Chefredakteurin Carine Roitfeld und Ex-Gucci-Designer Tom Ford vor allem Donatella Versace zu seinen größten Fans zählt.

Der talentierte Schotte ist erst 25, sein Aufstieg zum jüngsten Londoner Modestar war dementsprechend kometenhaft. Bei seiner Abschlussshow am renommierten Saint Martin's College präsentierte er eine optische Reizüberflutung aus Spitze, Rüschen, Leder, Goldschmuck, Knallfarben und extrem kurzen Schnitten, die mindestens so billig aussah, wie sie avantgardistisch war. Vor allem war sie aber gut genug, um Anna Wintour auf sich aufmerksam zu machen. Daraufhin verläuft Kanes Karriere im Schnelldurchlauf: Die Chefredakteurin der US-Vogue nimmt ihn sofort nach seiner Show mit nach Mailand, wo sie ihn Donatella Versace vorstellt. Nach einer weiteren Woche bietet ihm Donatella einen Job an. Kane lehnt das Angebot ab, weil er sein eigenes Label designen möchte, wird stattdessen Versace-Berater und arbeitet an seiner ersten Fashion Week Kollektion: in seinem Schlafzimmer.

Sexappeal und Trash-Ästhetik

Zwei erfolgreiche Saisonen später hat Kane ein Designstudio im Ostlondoner Dalston, aus dem nur Tage vor seiner letzten Show mehr als 20 Outfits und ein Computer auf mysteriöse Weise verschwinden. Alle wollen Kane. Auch Popstar und Fußballerfrau Victoria Beckham. Die bekam doch etwas überraschend kein Leihoutfit von ihm, war aber nicht beleidigt genug, um sich die gewünschten Stücke nicht einfach selbst zu kaufen.

Kane schafft den Balanceakt zwischen Sexappeal und Trash-Ästhetik mit Bravour. Wenn seine Kreationen aber nicht auf die richtige Trägerin treffen, kann das Gleichgewicht leicht in Richtung neureiche Geschmacklosigkeit kippen. Seine Muse, Geschäftsführerin, Beraterin und Lieblingsmodel hat er ohnehin längst in seiner Schwester Tammy gefunden. "Als ich nach London gezogen bin, um Mode zu studieren, kam Tammy mit."

Bei Tammys Schulabschlussball hatte das Geschwisterpaar Kane übrigens seinen ersten gemeinsamen Modemoment: Die 16-jährige Tammy kaufte sich mit dem Taschengeld ihres kleinen Bruders ein Versace-Kleid. Christopher, damals gerade elf hatte nichts dagegen: "Es war aus Gummi, babyrosa und hatte ein Fischschuppenmuster. Die Buben liebten es." Ein frühes Anzeichen, dass die Kanes zu den Versaces des Nordens werden könnten. (Britta Burger/Der Standard/rondo/02/11/2007)