Wien - Das Projekt der Nabucco-Pipeline, durch die künftig Erdgas aus dem kaspischen Raum nach Europa strömen soll, dürfte nach Ansicht der Energieexperten Gerhard Mangott und Karin Kneissl bereits tot sein, noch bevor es richtig in Gang gekommen ist. Einerseits gebe es Probleme, genügend Gas zur Einspeisung in die Pipeline zu bekommen, andererseits sei die Pipeline, die über weite Strecken auf türkischem Territorium verlaufe, anfällig für Anschläge, erklärten die Experten am Montagabend bei einer Podiumsdiskussion der EAA-EnergieAllianz Austria über "Russlands neue Energiepolitik".

Der Geschäftsführer der Nabucco Gas Pipeline GmbH, Reinhard Mitschek, hat diesen Einschätzungen allerdings umgehend entschieden widersprochen. Das Projekt werde manchmal totgesagt, "aber das Gegenteil ist der Fall: Es gibt vitales Interesse vom Markt für Transportkapazitäten", sagte Mitschek im Gespräch mit der APA.

Nabucco werde 2012 zu transportieren beginnen, mit rund 8 bis 10 Milliarden Kubikmetern Gas pro Jahr. In den folgenden fünf bis sechs Jahren werde die Transportleistung sukzessive auf 30 Milliarden Kubikmeter steigen. Das Gas werde hauptsächlich aus Zentralasien kommen. So würden in Aserbaidschan derzeit 10 bis 12 Milliarden Kubikmeter Gas pro Jahr erzeugt. "Es gibt Vorhersagen für einen Anstieg der Gas-Produktion in Aserbaidschan in den nächsten 10 bis 15 Jahren auf bis zu 50 Milliarden Kubikmeter pro Jahr", so Mitschek. In Turkmenistan würden derzeit 70 Milliarden Kubikmeter jährlich erzeugt, Vorhersagen würden von 180 bis 200 Milliarden Kubikmeter pro Jahr sprechen. (APA)