Bild nicht mehr verfügbar.

Christian Kunz (rechts) wurde von der ISW-TBE zum ersten Ehrenmitglied ernannt. Michael Kunze übergibt dem Impfpionier die Ehrenurkunde

Foto: APA/Public Health PR Projektgesellschaft
Wien - Es zählt nicht zu bekanntesten Wissenschaftern, dennoch hat er wesentliches im Kampf gegen Krankheitserreger geleistet. Vor kurzem wurde der emeritierte Vorstand des Instituts für Virologie in Wien, Christian Kunz, 80 Jahre alt. Er hatte das Institut zu einer international renommierten Forschungsstelle ausgebaut. Sein größter Triumph: Die Entwicklung des ersten breit eingesetzten Impfstoffes gegen die Zeckenkrankheit (FSME). Am Dienstag wurde er in Wien von der internationalen Wissenschaftergruppe zur Erforschung der "Zeckenkrankheit" (ISW-TBE) geehrt.

"Was ich bin? Ich bin ein Vöcklabrucker (OÖ) und bekenne mich dazu", sagte Kunz einmal schmunzelnd. Der Wissenschafter wurde am 13. Oktober 1927 in Linz geboren, seine Familie übersiedelte schließlich von Fischlham in diese Gemeinde. Im Herbst 1944 musste der gerade erst mit der Schule Fertiggewordene noch zum Militär, nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges absolvierte er dann das Studium der Medizin in Innsbruck und Wien.

Wie sich Kunz den Krankheitserregern zuwandte? "Ein Onkel von mir war Ordinarius für Chirurgie. Er hat mir gesagt: 'Werde kein Chirurg, da gibt es schon sehr viele.' Also bin ich 1954 ins Hygiene-Institut in Wien übersiedelt, die Virologie stellte sich als zukunftsträchtigstes Fach dar."

Die Virologie war damals noch in den Kinderschuhen. Studienaufenthalte in Marburg und in Freiburg sowie 1961/62 am Rockefeller Institut in New York verschafften Kunz das wissenschaftliche Rüstzeug. - Und bald standen im Mittelpunkt seiner Arbeit die Flavi-Viren, zu denen auch das FSME-Virus gehört.

1971 wurde Kunz ordentlicher Professor und gleichzeitig zum Chef des damals neugegründeten Virologie-Instituts in Wien bestellt. Der Wissenschafter: "Ich habe bald gesehen, dass man nur weiterkommen kann, wenn man auch echte Grundlagenforschung betreibt."

Selbstversuch

Die Mittel damals waren noch ausgesprochen beschränkt. Die moderne Technik der Zellkultur als Voraussetzung für die Isolierung und Vermehrung von Viren wurde in jenen Jahren gerade erst entwickelt. Die Impfstoff-Forschung hatte es Christian Kunz bald angetan. 1971 bis 1973 folgte die Pioniertat, die er mit seinen Mitarbeitern vollbrachte: Die Entwicklung des FSME-Impfstoffes, der seit 1976 breit eingesetzt wird und zum Beispiel in Österreich die Rate der FSME-Erkrankungen von hunderten pro Jahr auf eine Rate von 100 und weniger senkte. Nicht immer wurde ihm dafür gedankt.

Kunz: "1973 war es dann soweit: Die erste kleine Charge Impfstoff war hergestellt, mein Mitarbeiter, Dr. Hofmann, und ich haben uns gegenseitig geimpft und warteten ab, wie der Test ausgehen würde. Da wir selbst einige Wochen später noch keine negativen Wirkungen spürten, begann ich im Jahr 1974 mit meiner Frau und Mitarbeitern durch das Land zu fahren und Personen mit hohem Erkrankungsrisiko, vor allem Bauern und Forstarbeiter, zu impfen. Bis Anfang 1976 haben wir insgesamt 30.000 Menschen geimpft."

Risiko und Erfolg

Doch die nächste Herausforderung für Christian Kunz war die Suche nach einem industriellen Partner, der den Impfstoff offiziell auf den Markt bringen sollte. Der Virologe, der 1996 im Alter von 69 Jahren emeritierte: "Ich suchte lange Zeit erfolglos, bis schließlich die Immuno (heute: Baxter) AG Interesse zeigte. Seit 1976 ist das Präparat nun in Österreich und in vielen anderen Ländern erhältlich. Ich bin sehr glücklich darüber, dass ich den Grundstein zu dem großen Erfolg bei der Bekämpfung der oft folgenschweren Krankheit FSME legen konnte. Anfänglich war mein Projekt ähnlich einem 'Ritt über den Bodensee', denn bis 1976 lag das ganze Risiko des Projektes auf meinen Schultern."

Das Projekt wurde für die Immuno zu einem riesigen Erfolg. Heute geben rund 80 Prozent der Österreicher an, gegen die FSME immunisiert zu sein. "Wer ein Hirn hat, soll es schützen", formulierte Kunz dazu. Die schwersten Folgen hat die "Zeckenkrankheit" ja für das Gehirn. (APA/Red)