Berlin - Die Deutsche Bahn hat mit dem Verlust von Arbeitsplätzen für den Fall gedroht, dass der Lokführerstreik den Güterverkehr erfasst. Güterverkehrs-Vorstand Norbert Bensel erklärte am Dienstag in Berlin, dass besonders Kohle-, Erz- und Stahltransporte betroffen wären, weil es dafür keine Ausweichmöglichkeit gebe. Investitionen in Milliardenhöhe in Loks und Güterwagen wären gefährdet, wenn es zu nachhaltigen Verlagerungen auf die Straße komme, sagte Bensel. Die Forderung nach einem eigenen Tarifvertrag lehnte er rundweg ab.

Das Landesarbeitsgericht in Chemnitz will am Freitag entscheiden, ob Streiks der Lokführer im Güter- und Personenfernverkehr erlaubt sind. In erster Instanz war dies der Gewerkschaft Deutscher Lokführer (GDL) mit der Begründung verboten worden, die Auswirkungen seien unverhältnismäßig. Daraufhin wurde bisher nur der Nahverkehr der Deutschen Bahn AG bestreikt. Sollte die GDL Recht bekommen, "muss man das Bundesverfassungsgericht anrufen", kündigte Bensel an. Diesen Schritt hat auch die GDL bereits für den Fall ihrer Niederlage in Aussicht gestellt.

Gespräche mit Kunden

"Es wird auf jeden Fall zu einem Personalabbau führen, wenn wir in die Situation kämen", dass der Güterverkehr länger bestreikt würde, sagte Bensel. Die Bahn insgesamt beschäftigt etwa 20.000 Lokführer und 230.000 Menschen. Den täglichen Umsatz mit Gütern auf der Schiene in Deutschland bezifferte er auf zwölf bis 17 Mio. Euro. Er hoffe, im Falle eines Streiks auch 50 Prozent der Züge wie beim Personennahverkehr fahren lassen zu können. "Wir sind im Gespräch mit den Kunden, welche Züge besonders wichtig sind." Auch mit Bahnen der privaten und ausländischen Konkurrenz werde gesprochen, deren Lokführer möglicherweise aushelfen könnten.

Der Manager wies darauf hin, dass bei den Montangütern eine tägliche Menge von 100.000 Lastwagenladungen nicht transportiert werden könne, weil "es dafür einfach keine Lastwagen gibt". Damit würden "wichtige Kunden nachhaltig im Produktionsprozess gestört". Ähnliches gelte auch für viele Hafen-Hinterlandverkehre. Hier seien bereits einzelne Kunden im Containertransport auf die Straße ausgewichen, um nicht von eventuellen Streiks überrascht zu werden. Namen wollte Bensel nicht nennen.

Der Manager sagte außerdem "dramatische Störungen der internationalen Transportkette" voraus. Rund 60 Prozent der Züge überschritten Grenzen. In großer Gefahr seien die in den letzten Jahren erzielten Erfolge bei der Verlagerung von Verkehr auf die Schiene. Werde jetzt die Straße bevorzugt, "ist die Rückkehr nicht einfach. Dann droht eine langfristige Verlagerung zurück auf die Straße."

Eine Annäherung an die Forderung der Lokführergewerkschaft nach einem eigenständigen Tarifvertrag schloss Bensel kategorisch aus. Das sei "nicht verantwortbar. Da kommen wir zu einer Teilung der Belegschaft", argumentierte er. Ansonsten habe die Bahn in ihrem jüngsten Angebot einen Schritt auf die GDL zu getan. Bensel räumte ein, dass die Arbeitsbedingungen für Lokführer verbessert werden müssten. Gerade in dem internationalen Verbundsystem, in dem die DB-Güterzüge führen, seien sie deutlich schwieriger als bei Punkt-zu-Punkt-Verkehren. (APA/AP)