Die Lebensqualität einer Stadt hängt maßgeblich von ihrem Angebot an nutzbaren Grünflächen ab. Gradmesser für das Erholungspotenzial ist neben deren Anzahl und Größe natürlich auch die Qualität dieser „Stress-Abbaugebiete“. Wie aber lässt sich die feststellen? Welche Faktoren sind der Erholung förderlich und welche wirken dagegen?

Angesichts der enormen Kosten, die einer Volkswirtschaft durch stressverursachte Erkrankungen erwachsen, durchaus keine irrelevanten Fragen. Dennoch gibt es dazu bislang keine wissenschaftlich fundierten Daten. Eine über den Wissenschaftsfonds FWF – für den sowohl Infra- als auch Wissenschaftsministerium zuständig sind – finanzierte Studie an der Wiener Boku soll nun das nötige Grundlagenwissen liefern: „Zwar weiß man aus amerikanischen Studien, dass die Besucherzahlen in Wildnisgebieten einen großen Einfluss auf die Qualitätsbeurteilung durch die Nutzer sowie auf die Ökologie haben – doch wie Erholung speziell im städtischen Raum funktioniert, lässt sich daraus nicht ableiten“, sagt Projektleiter Arne Arnberger.

Um die Vorlieben, Ängste und Kritikpunkte von Wiener Parkbesuchern zu erfassen, hat der Experte für Landschaftsplanung über 3000 Personen befragt und ihnen computersimulierte Bilder mit unterschiedlichsten Wege-Szenarien – viele/wenige Menschen/Hunde auf Gehwegen, Wegebelag, Menge an Müll, Bepflanzung etc. – vorgelegt. Dass die Erholungsgebiete vor allem an Sonntagen von einem großen Teil der Besucher als überfüllt wahrgenommen werden, überraschte nicht.

„Erstaunlicher war, dass immerhin 20 Prozent der Befragten kommen, um Menschen zu sehen“, so Arnberger. „Viele Frauen besuchen keine Parkanlagen, wenn ihnen diese zu einsam sind. Haben sie hingegen einen Hund dabei, dann sind ihre Sicherheitsbedenken verschwunden. Sie wollen möglichst niemanden antreffen.“

Das Empfinden der Besuchermenge hängt folglich nicht nur mit der Anzahl der Parkbesucher zusammen. „Hohe Besucherzahlen werden von den Parknutzern weniger negativ wahrgenommen, wenn in anderen Bereichen auf ihre Bedürfnisse eingegangen wird: etwa bei der Landschaftsgestaltung oder bei gewissen Vorschriften. Vandalismusschäden, Müll, Hecken entlang der Wege und freilaufende Hunde verstärken den Eindruck eines überfüllten Gebietes.“

Viele bedürfnisse

Eine zentrale Aufgabe des Forschungsprojekts ist demnach das Herausfiltern jener Faktoren, die ein Erholungsgebiet sozial tragfähiger machen, ohne die Besuchermenge zu reduzieren. Denn ein Ausweichen gestresster Städter auf ruhigere Erholungsgebiete verursacht Verkehr, und mit dem Aufsuchen von Naturschutzgebieten würde das Problem nur auf ökologisch sensible Gebiete verlagert.

Wie können nun diese widersprüchlichen Bedürfnisse von Joggern, Spaziergängern, Gestressten und Hundeliebhabern bzw. -hassern unter einen Hut gebracht werden? „Letztlich kann es nur darum gehen, in jedem Park unterschiedliche Erlebnisse anzubieten“, ist Arnberger überzeugt.

In größeren Erholungsgebieten könne man mit einer durchdachten „Zonierung“ und einer sensiblen Besuchersteuerung etwa durch das Anbieten von Erholungseinrichtungen den unterschiedlichen Nutzergruppen durchaus gerecht werden. (Doris Griesser/DER STANDARD, Printausgabe, 31.10.2007)