Cortina d’Ampezzo will zu Südtirol. Doch der Wechsel des Olympiaortes zur autonomen Nachbarregion ist hürdenreicher, als es die halbstündige Strecke von Cortina ins Südtiroler Toblach vermuten ließe. Ist doch die gewonnene Volksabstimmung nur der erste Schritt eines langen Marsches durch die Institutionen. Nun ist Italiens Parlament am Zug. Kaum anzunehmen, dass sich das intrigenreiche Parkett im fernen Rom angesichts drohender Neuwahlen für die Anliegen der drei Dolomitenorte interessiert. Lamon, die erste von elf Gemeinden Venetiens, die sich 2005 für einen Anschluss ans Trentino entschieden hatte, wartet seither vergeblich auf das erforderliche Gesetz. Ihr Anliegen schlummert im Verfassungsausschuss der Abgeordnetenkammer.

Zwar hat das Parlament 2001 eigens die Verfassung geändert, um Übertritte von Gemeinden zu erleichtern. Doch das Arbeitstempo des italienischen Parlaments und die Proteste der betroffenen Regionen sorgen dafür, dass solche Anliegen rasch versanden. Im Gegensatz zu Lamon dürfen Cortina d’Ampezzo und seine beiden Nachbargemeinden mit einem positiven Votum der Landtage in Trient und Bozen rechnen. Auch können die drei ladinischen Orte auf den Minderheitenschutz pochen. Was ihr Anliegen erschwert, ist die internationale Absicherung der Südtirol-Autonomie. Denn einer Angliederung Cortinas an Südtirol müsste auch Wien zustimmen.

„Österreich soll sich gefälligst heraushalten“, wettert Giancarlo Galan, Präsident der Region Venetien, der Cortinas „Sezession“ mit allen Mitteln verhindern will. Dabei ist Galan keineswegs allein. Cortina wird sich mit viel Geduld wappnen müssen. Der Präsident der Provinz Belluno, Sergio Reolon, warnt davor, „das Unbehagen zu unterschätzen“, das in der Volksabstimmung zum Ausdruck komme. Es handle sich um ein „Ereignis mit Signalwirkung“. Dabei wird es wohl bleiben. (DER STANDARD, Printausgabe, 31.10.2007)