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Dass die Österreicher immer länger leben, stellt die Beerdigungsbranche vor ein Wachstumsproblem

Foto: APA/Artinger
Wien - "Sie können die schönste Begräbniszeremonie anbieten, den haltbarsten Sarg und den pompösesten Grabschmuck, trotzdem stirbt deshalb keiner." Erasmus Baumeister, Experte für Bestattungswesen und -marketing und Inhaber der gleichnamigen Agentur in Köln, bringt die Situation am heimischen Bestattungsmarkt auf den Punkt: Der Bestattungsmarkt ist ein endlicher, er schrumpft genaugenommen, weil die Menschen immer älter werden und daher jährlich weniger Sterbefälle zu verzeichnen sind.

Damit ist klar: Der Bestattungsmarkt hat natürliche Grenzen, die auch durch neue, exotische Services nicht erweitert werden können. Wegen einer antiken Alabasterurne, die mittlerweile samt Säulen beigesetzt werden, steigen die Umsätze auch nicht. Insgesamt gab es im Vorjahr rund 73.000 bis 75.000 Todesfälle in Österreich (die Statistik für 2006 ist laut Jakob Wild vom Fachverband der Bestatter noch nicht abgeschlossen), davon geschätzte 15.000 bis 17.000 in Wien.

Wenig Auswahl

Für deren würdigen letzten Weg sorgen hunderte Bestattungsunternehmen, die selten bezirksüberschreitend tätig sind. Speziell die Wiener haben bei der Auswahl ihres Zeremonienmeisters wenig Auswahl. Obwohl der Bestattungsmarkt 2002 liberalisiert wurde, ist es nur eine Handvoll Bestatter und Trauerberater, wie sich die "Pompfüneberer" neuerdings bevorzugt nennen, die sich um Begräbnis und Trauerhilfe kümmern.

Unbestrittener Platzhirsch, fünf Jahre nach der Marktöffnung, ist die Bestattung Wien, zu hundert Prozent im Eigentum der Gemeinde Wien. Sie konnte, wie ihr Geschäftsführer Christian Fertinger nicht ohne Stolz erzählt, drei der fünf Prozent Marktanteil, die seit 2002 freigeworden sind, wieder zurückerobern. Die beamteten Leichenbestatter taten dies nicht ohne List: Sie gründeten einfach den Ableger "diebestattung GmbH" und eröffneten Läden am Rochusmarkt in Wien-Landstraße und in Mauer. Frei von Altlasten wie der Atzgersdorfer Sargfabrik oder den Gehältern für teure Staatsdiener konnte die "Bestattung am Rochusmarkt" ebenso offensiv auftreten wie ihre Konkurrenten Perikles, Pax und Co.

Es wird immer offensichtlicher: Das Geschäft mit Gräbern, Einäscherung, Leichenhallen und Beerdigungen ist ein überaus hart umkämpftes - nicht nur, weil der Markt schrumpft. Hinter den Kulissen wird um den Zutritt zur Aufbahrungshalle ebenso gestritten wie um die Vergabe der Gräber.

Platzhirsch

Lagert das Wiener Rathaus auch noch die MA 43 in die Wiener Bestattung aus, wie das die privaten Konkurrenten befürchten, hat die Bestattung Wien wieder alles in einer Hand. "Das wird wieder ein Monopol, wie es vor 2002 war", sagt Herwig Schumacher von der Sargfabrik Moser, die in Wien und in St. Michael im Lungau die Perikles Trauerberatung betreibt. So schwierig wie in Wien sei es überhaupt nirgendwo in Österreich. Man sei überall auf die Kooperation mit den Rathausmännern angewiesen. "Wennst Pech hast, wartest drei Wochen auf einen Platz in der Aufbahrungshalle", sagt einm anderer Anbieter, der nicht genannt werden will. Damit sei man nie und nimmer konkurrenzfähig.

Daher setzt das private Bestattungsgewerbe auf eine Verbesserung und Ausweitung seiner Dienstleistungen. Baumeister spricht "bewusst nicht von einer Verlängerung der Wertschöpfungskette", aber: "Das Leistungsspektrum des Bestatters muss weiter reichen als von der Todesminute bis zum Schließen des Grabes." Dafür bieten sich an: Trauerhilfe, Rechtsberatung, Ratenzahlungsmodelle oder die Online-Gestaltung der Bestattung. (Luise Ungerboeck, DER STANDARD Printausgabe, 31.10./1.11.2007)