Altach - Zum Ramadan 2008 soll der erste islamische Friedhof für Vorarlberger Muslime fertig sein. Hoch an der Zeit sei es, den 30.000 Muslimen eine eigene Begräbnisstätte zu geben, sagt Attila Dincer, Sprecher des Trägervereins. "Schließlich leben seit 45 Jahren Türken in Vorarlberg." All die Jahre mussten Verstorbene in die Türkei überführt werden, einzelne wurden auf christlichen Friedhöfen bestattet.

Bis zur Fertigstellung werden fünf Jahre der Annäherung zwischen islamischen Vereinen und Gemeindeverband liegen. Dincer: "Eine lange Zeit, aber eine gut investierte Zeit, denn wir werden nun als gleichwertige Partner gesehen." Für die islamischen Vereine war der Diskussionsprozess eine Herausforderung. Ohne Zusammenschluss zu einem Trägerverein wäre das Projekt gescheitert. Dincer: "Sich zu organisieren und damit als Verhandlungspartner wahrgenommen zu werden ist ein wesentlicher Schritt zur Integration."

Keine Bittsteller

Die Gestaltung des Friedhofs ist Sache des Trägervereins. Dincer: "Wir sind nicht mehr Bittsteller, sondern entscheiden." Geplant wird der Friedhof von Bernardo Bader. Der junge Architekt aus Dornbirn sieht einen Friedhof als "Urgarten", will die Grabfelder in den "auenartigen Landschaftsraum einbetten" - durch die "fingerförmige Anordnung" wird eine Realisierung in Etappen möglich.

Das Besondere am Vorarlberger Beispiel ist für Eva Grabherr, die mit der Projektstelle für Zuwanderung und Integration "okay. zusammen leben" den Prozess begleitet hat, "die gemeindeübergreifende Lösung, Muslime aus allen Vorarlberger Gemeinden sollen hier begraben werden".

"Im Sinne der Gleichbehandlung"

Das Grundstück im Rheintal, zwischen Hohenems und Götzis auf Altacher Gemeindegebiet gelegen, wurde vom Gemeindeverband gekauft. Erschließung und Errichtung der notwendigen Gebäude übernimmt der Gemeindeverband. Jährlicher Finanzierungsaufwand von Land und Gemeinden: 30.000 Euro. "Eine Finanzierung im Sinne der Gleichbehandlung, wie bei christlichen Friedhöfen", sagt Verbandspräsident Wilfried Berchtold (ÖVP).

Altach soll nicht der einzige Standort bleiben. Dincer: "In Etappen von 15 Jahren sollen in Vorarlberg vier Friedhöfe entstehen." (Jutta Berger, DER STANDARD Printausgabe, 31.10./1.11.2007)