Sehr geehrter Herr Vizekanzler, ich möchte mich für den Mut bedanken, mit dem sie in der Bildungsdebatte dem Zeitgeist trotzen. Ihr Widerstand gegen die linkslinken Meinungsmacher, die bereits die Kirchen und Wirtschaftsverbände unterwandert haben, hat das Gymnasium, die Keimzelle unserer Kultur, vor dem endgültigen Verfall bewahrt. Sie haben den Wölfen der Gleichmacherei den Schafspelz weggezogen, mit dem sie ihr Zerstörungswerk als harmlosen Schulversuch tarnen wollten, und ihnen gerade noch rechtzeitig das Handwerk gelegt.

Wie wichtig es ist, den Anfängen zu wehren, zeigt die historische Erfahrung. Noch vor hundert Jahren war Österreich mit einem differenzierten Bildungssystem gesegnet, in dem beide Geschlechter ihre unterschiedliche Begabung in eigens für sie geschaffenen Schultypen entfalten konnten. Diese über Jahrhunderte gewachsene und bewährte Gliederung der Bildung wurde von den Feinden der Freiheit in wenigen Jahrzehnten zerstört und plattgewalzt. Ihre politischen Vorfahren, Herr Vizekanzler, taten ihr Bestes, um diesem blindwütigen Rasen Einhalt zu gebieten, aber letztlich mussten sie sich geschlagen geben.

Rufen wir uns die prophetischen Worte in Erinnerung, mit denen die Unterrichtsverwaltung 1897 begründete, warum sie nicht bereit ist, "den Mädchen ohne Beschränkung den Zugang zu den für die Bedürfnisse der männlichen Jugend eingerichteten Gymnasien und Realschulen und dann weiter in alle Berufszweige, welche bereits von Männern zur Genüge und im Übermaß besetzt sind, zu eröffnen. Das wäre mit ernsten Gefahren für die psychische Beschaffenheit und den natürlichen Beruf des Weibes verbunden und geschähe auch nicht ohne schwere Benachteiligung des Mannes, dessen Erwerbsfähigkeit im Kampf der Konkurrenz leicht auf ein Maß herabsinken könnte, welches die Bildung und Erhaltung einer Familie erschwert und ausschließt." Goldene Worte.

Damals wurden die Universitäten noch von Männern aus altem Schrot und Korn geleitet. Denken wir an das standhafte Bekenntnis des Wiener Rektors im Jahr 1873, dass "sich der akademische Senat principiell und mit aller Bestimmtheit gegen die Zulässigkeit erklärt, Frauenpersonen zu inscribieren."

Später wurde diese Prinzipienfestigkeit durch eine falsch verstandene Liberalität aufgeweicht, aber noch 1948 fand eine konservative Unterrichtsverwaltung den Mut zur Feststellung, dass es "nicht die Aufgabe des Erziehungssystems sein kann, die naturgegebenen Unterschiede in der seelischen Struktur, in der geistigen Einstellung und der natürlichen Bestimmung der beiden Geschlechter zu nivellieren".

Die darauf folgenden Jahrzehnte waren dann eine einzige Verfallsgeschichte. Die bewährten differenzierten Schultypen, in denen jedes Geschlecht zu seiner natürlichen Bestimmung heranreifte, mussten einem nivellierenden Einheitsbrei weichen. Heute kennen wir die Folgen. Niemand kann mehr daran zweifeln, dass die promiskuöse Eintopfschule, in der sich die Geschlechter vermengen, unser Kulturerbe und unsere Sozialordnung gefährdet. Die Geburten gehen zurück, weil den Frauen jeder Sinn für ihre natürliche Stellung in der Schöpfung abhanden gekommen ist. Sie dringen in die natürlichen Berufsreviere der Männer ein und vernachlässigen ihre Familien- und Haushaltspflichten. Falls sie noch geboren werden, verwahrlosen die Kinder, weil ihre Rabenmütter Karriere machen. Und die Verrohung der Sitten schreitet weiter voran.

Nun verlangt man Kinderkrippen und ein verpflichtendes Vorschuljahr, um mit der Nivellierung bereits im Säuglingsalter zu beginnen. Die sogenannte Emanzipation der Frauen in der Bildung ist ein Lehrstück, das uns die Folgen der Nachgiebigkeit gegenüber der Gleichmacherei drastisch vor Augen führt. Heute müssen wir alles daran setzen, um wenigstens die sozialen Abstufungen unseres Volkskörpers zu erhalten. Das differenzierte Schulsystem leistet dabei eine unverzichtbare Rolle.

Daher dürfen wir uns nicht die Freiheit der Wahl des jeweils standesgemäßen Schultyps nehmen lassen. In diesem Sinn, Herr Vizekanzler, bleiben Sie standhaft. Geben Sie dem Druck nicht nach, der sich auch in Ihrer Partei immer lauter erhebt.

Und sollte man wieder mit diesen internationalen Leistungsvergleichen kommen, dann denken Sie daran: Pisa ist eine Laune der flüchtigen Gegenwart, aber die Langform des Gymnasiums währt ewig.

Hans Pechar,

Leiter des Instituts für Hochschulforschung an der Universität Klagenfurt.

(Hands Pechar, DER STANDARD-Printausgabe, 31. 10/1.11. 2007)