Zypern dürfte den meisten Bundesbürger vor allem als Urlaubsziel bekannt sein. Rund 153.000 Deutsche reisten im vergangenen Jahr auf die sonnige Insel im östlichen Mittelmeer. Einmal dort angekommen, kann man sich jedoch nur schwerlich des Eindrucks erwehren, auf der falschen Insel gelandet zu sein. Mit jährlich knapp 1,4 Millionen Touristen aus Großbritannien könnte Zypern locker auch als „Klein-England“ durchgehen. Die Zyprioten dürften es mit einem weinenden und einem lachenden Auge sehen: Ihnen hat der Strom an Touristen einen ansehnlichen Wohlstand beschert. Aber deswegen gleich ein Zypern-Zertifikat auf den Markt zu bringen, wie es ABN Amro getan hat? Da muss es schon noch andere Argumente geben, die für ein Investment in das EU-Land sprechen.

In der Tat: Zumindest der griechisch-westlich geprägte Südteil der Insel hat in den vergangenen Jahren eine erstaunliche Entwicklung durchgemacht (der Norden steht bekanntlich unter türkischer Vormundschaft). Im Süden ist die Regierung bemüht, die Region als attraktives Finanzzentrum mit Brückenfunktion in den Nahen Osten zu positionieren. Prompt wurde eine Angleichung der Unternehmenssteuern auf EU-Ebene abgelehnt. Seitdem genießt Zypern den Ruf als aufstrebender „Offshore“-Standort für steuergeplagte Unternehmen vom Kontinent. Ungeachtet dessen konnte die Republik Zypern das hohe wirtschaftliche Wachstum der vergangenen Jahrzehnte (Durchschnitt des BIP-Wachstums: 1975 bis 2000: real ca. 5,5 Prozent) zuletzt nicht mehr durchhalten. 2006 fiel die Rate von 3,8 auf 3,7 Prozent zurück. Damit klagt man zwar auf hohem Niveau, trotzdem warnen einige Volkswirte bereits vor einem Trendbruch.

Unbeeindruckt von der Gefahr einer weiteren Abschwächung der Konjunktur haben zypriotische Aktien in diesem Jahr bislang kräftig hinzugewonnen. Der von Dow Jones berechnete „Cyprus Titans 10“-Index, der die zehn größten Aktiengesellschaften des Landes enthält und der auch ABN Amro als Basiswert für den Zypern-Tracker (ISIN DE 000 AA0 ZYP 2) dient, legte seit Jahresanfang um mehr als 40 Prozent zu. Wie es für einen „Offshore“-Standort zu erwarten ist, stammen die meisten Titel im Index aus dem Finanzsektor. Dazu zählen auch die drei Schwergewichte Hellenic Bank, Bank of Cyprus und Marfin Popular Bank. Sie allein kommen auf einen Anteil von insgesamt rund 60 Prozent – ein nicht unerhebliches Klumpenrisiko. So nebenbei: Die Zypern-Aktien als Titans zu bezeichnen, halten wir für bemerkenswert. Selbst der „Obertitan“ Hellenic Bank bringt es gerade einmal auf eine Marktkapitalisierung von 1,5 Mrd. Euro.

ZJ-Fazit: Insgesamt erscheint uns das Urlaubsparadies ein wenig zu klein, um ihm gleich ein ganzes Index-Zertifikat zu widmen. Man muss die Nische schon sehr lieben, um an dem ABN Amro-Papier Gefallen zu finden. Immerhin: Dividenden werden angerechnet und die jährliche Managementgebühr hält sich mit einem Prozent in Grenzen. Währungsrisiken gibt es kaum. Das Zypern-Pfund ist aufgrund des geplanten Beitritts in die Währungsunion Anfang 2008 eng an den Euro gebunden.