Wien - Die börsenotierte Gesellschaft Meinl International Power Ltd. (MIP) rund um Ex-Finanzminister Karl-Heinz Grasser und den ehemaligen Verbund-Chef Hans Haider beteiligt sich als Juniorpartner mit rund zwölf Mio. Euro an einem Gaskraftwerk in Ungarn. Gemeinsam mit dem größten ungarischen Energieversorger MVM werde im ostungarischen Vasarosnameny ein Kraftwerk mit einer Leistung von 233 Megawatt errichtet, gab MIP-Chef Haider heute, Mittwoch, bei einer Pressekonferenz in Wien bekannt.

Die Gesamtinvestitionskosten für das Kraftwerk belaufen sich auf rund 140 Mio. Euro, wovon 65 Prozent fremdfinanziert werden sollen. An der gemeinsamen Projekterrichtungsgesellschaft Karpat Energo Zrt. hält MIP zunächst 24 Prozent, die staatliche ungarische MVM hält 51 Prozent. Die restlichen 25 Prozent entfallen auf die ungarische Projektentwicklungsgesellschaft System Consulting Zrt., die unter der Leitung des früheren ungarischen Energieministers Laszlo Kapolyi steht. MIP besitzt für diesen 25-Prozent-Anteil eigenen Angaben zufolge eine Kaufoption, die innerhalb von zwei Jahren nach vollständiger Inbetriebnahme des Kraftwerkes ausgeübt werden kann. Die entsprechenden Verträge seien bereits unterzeichnet worden, berichtete Haider.

Fertigstellung bis 2009

Das Kraftwerk soll bis Mitte 2009 fertiggestellt werden und Anfang 2010 den vollen Betrieb aufnehmen. Damit kann der Strombedarf einer ungarischen Stadt mit rund 140.000 Einwohnern gedeckt werden.

Die Projektfinanzierungskonditionen wurden seitens der Projektgesellschaft Karpat Energo Zrt. mit einem Konsortium von ungarischen und internationalen Banken vereinbart. Der Fremdfinanzierungsanteil beläuft sich auf rund 65 Prozent des Gesamtinvestitionsvolumens, wodurch der Ertrag für die Anteilseigner auf das eingesetzte Eigenkapital entsprechend erhöht werden könne.

Die für das Projekt erforderlichen gesellschaftsrechtlichen und regulatorischen Genehmigungen stehen noch aus. Von MIP liegt die Board-Genehmigung vor. Das Closing werde für das erste Quartal 2008 erwartet. Vasarosnameny liegt im Nordosten Ungarns in unmittelbarer Nähe zur ungarischen Gasversorgungsinfrastruktur.

"Das Kraftwerksprojekt in Vasarosnameny ist die Antwort auf die steigende Nachfrage nach Spitzenstrom auf dem freien Strommarkt in Ungarn. Es wird zur Regulierung des ungarischen Strommarktes zu attraktiven wirtschaftlichen Bedingungen beitragen", so Haider.

13 Prozent Rendite

"Für die 24 Prozent an Karpat Energo nehmen wir zwölf Mio. Euro in die Hand, die wir in die Gesellschaft als Equitiy einschießen", erklärte MIP-Chef Hans Haider heute bei einer Pressekonferenz. "Wir sind ein Longterm-Investor und werden bei diesem Projekt etwa 13 Prozent Rendite erwirtschaften" - mit Potenzial nach oben. Weil in der Nähe ein Bioethanol-Werk mit Energiebedarf gebaut werde, dürfte die Rendite sogar deutlich über 15 Prozent liegen, ist Haider zuversichtlich.

Für den Fall, dass bei dem Projekt etwas schiefgehen sollte, habe man einen "Fallschirm", versicherte Haider: "Wenn sich die Rendite-Erwartungen nicht erfüllen, haben wir eine bedingungslose Put-Option mit einem bereits festgelegten Preis - dann können wir es ihnen aufs Aug' drücken", erläuterte er das Ausstiegsszenario für Meinl International Power. In diesem Fall würde man die investierten zwölf Mio. Euro plus Verzinsung zurückerhalten.

Den Einwand, dass das Projekt gemessen am zur Verfügung stehenden Kapital der MIP eher klein sei, wollte Haider nicht gelten lassen. Mit einer Leistung von 233 MW sei das geplante Kraftwerk immerhin deutlich größer als das Donaukraftwerk Wien-Freudenau (rund 165 MW). Auch die Mitsprachemöglichkeit bei dem Projekt sei für Meinl Power durchaus gegeben - bereits jetzt habe man bei einer Beteiligung von 24 Prozent ein Viertel der Aufsichtsräte und ein Viertel der Vorstandsposten.

"Aktie deutlich unterbewertet"

Mit der Performance der MIP-Aktie "sind wir natürlich nicht zufrieden", räumte Haider ein. "Wir sind an der Börse deutlich unterbewertet." Der innere Wert der Aktie betrage 9,30 Euro, der aktuelle Börsenkurs liegt bei 7,09 Euro. Haider: "Da ist eine ganz schöne Reserve drinnen - wenn ich reich genug wäre, hätte ich schon ein Übernahmeangebot gemacht." (APA)