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Maria wurde nach Ravensbrück verschleppt und am Karsamstag im Jahr 1945 in der Gaskammer ermordet.
Foto: APA/EPA/Michael Hanschke
Berlin - Zu Ehren der von den Nazis ermordeten russischen Nonne Maria Skobtsowa wurde im Frauenkonzentrationslager Ravensbrück freitags eine Gedenktafel enthüllt.

Eine ungewöhnliche Nonne

Die von der orthodoxen Kirche heiliggesprochene und auch "Heilige Maria von Paris" Genannte wurde 1891 als Jelizaweta Pilenko in Riga geboren. Als ihr Vater starb, wurde das einer großbürgerlichen Familie entstammende Mädchen Atheistin, näherte sich aber nach einer gescheiterten Ehe Schritt für Schritt wieder der orthodoxen Kirche an. Nach der bolschewistischen Revolution wurde sie 1918 Vizebürgermeisterin von Anapa am Schwarzen Meer. Als die "Weiße Armee" Anapa vorübergehend eroberte, wurde sie als Bolschewikin verhaftet, aber der Richter war ihr früherer Lehrer Daniel Skobtsow. Er sprach seine einstige Schülerin umgehend frei, die beiden heirateten. Von Georgien über das neue Jugoslawien gelangte das Paar samt Nachwuchs 1923 schließlich nach Paris. Nachdem eine Tochter starb, ging auch diese Ehe in die Brüche; Jelizaweta widmete sich immer mehr dem theologischen Studium und der Sozialarbeit. Ihr geistlicher Berater riet ihr, Nonne zu werden, Jelizaweta willigte ein - unter der Bedingung, dass sie nicht in einem Kloster leben müsse. 1932 erlangte sie - mit Zustimmung von Daniel Skobtsow - die im orthodoxen Kirchenrecht in solchen Fällen vorgesehene Auflösung ihrer Ehe. Sie legte die Gelübde ab und nahm den Namen Maria an.

Umgebracht

Das Pariser Haus von "Mutter Maria" wurde ein offenes Haus für alle Notleidenden, vor allem für die Flüchtlinge und die Einsamen. Das Haus wurde aber auch ein Zentrum der intellektuellen und theologischen Auseinandersetzung. Als die Deutschen 1940 in Paris einmarschierten, meldeten sich verzweifelte Jüdinnen und Juden bei "Mutter Maria". Sie baten um Taufscheine, die zunächst eine gewisse Sicherheit unter dem Kollaborationsregimes des "Etat Francais" von Marschall Philippe Petain boten. 1943 stürmten Gestapoleute das Haus von "Mutter Maria". Sohn und Exmann Marias wurden ins KZ "Dora-Mittelbau" bei Nordhausen in Thüringen deportiert, wo die Arbeitssklaven die "V 2" bauen mussten. Beide starben in dem KZ.

Mutter Maria wurde nach Ravensbrück verschleppt. Am Karsamstag des Jahres 1945 starb die Nonne in der Gaskammer. Es wird vermutet, dass sie anstelle einer anderen ging.

Die Heiligsprechung erfolgte am 1. Mai 2004 in der Pariser Aleksander-Newskij-Kathedrale. (APA)