Ludwig Bauer.

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Die Bestellung von Ludwig Bauer zum Geschäftsführer des Wiener Privatsenders ATV ist offiziell. Wie erwartet hat der 50-jährige Deutsche die Geschäfte von Franz Prenner übernommen, der "nach einem einvernehmlichen Gespräch zwischen Herbert Kloiber und Hans Dichand", so Bauer, am Mittwoch vorzeitig aus seinem Vertrag entlassen wurde, um gen Mediaprint zu ziehen. Bauer ist seit zehn Tagen in Wien, um seinen neuen Sender genauer unter die Lupe zu nehmen und ihn auf Vordermann zu bringen. Grundsätzlich soll sich dort aber "zunächst überhaupt nichts" ändern.

"Leerlauf von Strukturen"

Der Kloiber-Vertraute und Tele München Vorstand saß bisher im ATV-Aufsichtsrat und verfolgt als solcher seit längerem die finanzielle und programmliche Entwicklung des Privatsenders, wie er der APA sagte. An Inhalten und Personal soll sich auch nach der Übernahme der BAWAG-Anteile durch Kloiber nichts ändern - von einem Sparkurs will Bauer im STANDARD-Interview ebenfalls nicht sprechen: "Es gibt keine Sparmaßnahmen, sondern vielmehr ein Effizienzprogramm." Soll heißen: "Wir überprüfen die internen Strukturen und Prozesse auf Schnelligkeit und Effizienz. Denn eines ist klar: Was an Budget verfügbar ist, muss ins Programm fließen und nicht in den Leerlauf von Strukturen."

Ziel des neuen Geschäftsführers ist es, die Marktanteile zu erhöhen - in Richtung fünf Prozent - und die Publikumsakzeptanz zu steigern, "dann funktioniert es auch im Werbemarkt und bei den Erlösen". Am Programm von ATV soll es zunächst keine gravierenden Änderungen geben, betonte Bauer. Allerdings wolle man sich bei neuen Formaten, vor allem Eigenproduktionen, künftig mehr Zeit lassen: "Im letzten Jahr gab es öfter die Situation, dass Formate schnell on Air gehen mussten und nicht genügend Entwicklungszeit zur Verfügung hatten." Das wolle man nun ändern, auch wenn das bedeutet, dass auf dem Sendeplatz von Eigenformaten eine Zeit lang Spielfilme und Serien laufen.

Bauer mag Bauer

Fortsetzungen stellte Bauer unter anderem für "Bauer sucht Frau" sowie "Tausche Leben" in Aussicht, darüber hinaus ist eine Auswanderer-Dokusoap nach deutschem Vorbild aber mit rein österreichischer Ausrichtung geplant. Ob man, wie angedacht, die Produktion der Nachrichten auslagern werde, steht noch nicht fest. Sicher sei aber, dass die Sendungsverantwortung und die Gestaltung der ATV-News "ganz eindeutig bei uns" liegen soll. Verantwortlich wird dafür ein neuer Nachrichtenchef sein, der aber nach dem Abgang von Martina Hörr noch gefunden werden muss.

Vor der wachsenden Konkurrenz am heimischen Privatmarkt fürchtet sich Bauer nicht - Puls 4, das im kommenden Februar starten soll, sei ein willkommener Mitbewerber, der den Markt belebt. Kooperationen zwischen den Privatsendern, wie sie unlängst von Puls-Geschäftsführer Markus Breitenecker vorgeschlagen wurden, seien aber "nicht unser erstes Interesse". Gemeinsam gelte es allenfalls, "an der Bastion ORF zu sägen". Hier will man "die Steilvorlage nutzen, die uns der ORF mit seiner Programmreform im April" und den anschließenden Quotenverlusten geliefert hat.

Digitaler "Rohrkrepierer"

Wenig übrig hat der Neo-Geschäftsführer für die Digitalisierung, die er als "ziemlichen Rohrkrepierer" bezeichnete. Vor allem beim digital-terrestrischen Fernsehen "hält die Realität mit den ursprünglichen Prognosen nicht Schritt, die Pläne sind nicht aufgegangen". Dem Vernehmen nach sieht ATV-Eigentümer Kloiber das ja ähnlich, Zahlungen für die digitale Frequenz auf der Verbreitungsplattform Mux A, die ATV seit über einem Jahr bespielt, soll Kloiber Zahlungen bisher verweigert haben. Die Frage, ob Bauer vorhabe künftig für Mux A zu bezahlen, ließ er offen, meinte aber: "Die ursprünglich veranschlagten Kosten und Größenordnungen sind überholt und irrelevant und müssen neu diskutiert werden."

Senderpendler

Der aus Bayern stammende Ludwig Bauer ist im Mediengeschäft ein alter Hase. Nach seinem Studium der Neuen Deutschen Literatur, Germanistischen Linguistik und Englischen Literaturwissenschaft wurde der promovierte Bauer Lehrbeauftragte für Filmphilologie an der Universität München und ab 1992 Programmdirektor bei Leo Kirchs "Der Kabelkanal" - heute "Kabel 1". Es folgte ein Engagement als Programmdirektor bei ProSieben, bevor er 1996 Geschäftsführer von "Kabel 1" wurde. 1999 stieg Bauer zum Fernseh-Vorstand bei der ProSiebenSat.1 Media AG. auf, um anschließend ein kurzes Gastspiel als Vorstand bei der Viva Media AG zu geben.

Danach war Bauer immer wieder für diverse Posten im Gespräch, unter anderem für die Nachfolge von Josef Andorfer an der Spitze von RTL 2. Andorfer bastelt derzeit an einem neuen österreichischen Privatsender - "Austria 9" - der noch heuer starten soll. Im Jahr 2005 steig Bauer dann in der Geschäftsführung von Kloibers Tele München Gruppe ein. Dort war der 50-Jährige aus dem Bayerischen Wald im Vorstand zuletzt für sämtliche Fernsehbeteiligungen zuständig. (APA/fid)