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Die Preisspitze haben die Amerikaner im Juni und Juli erlebt. Damals kostete die Gallone im Schnitt 3,20 Dollar.

Foto: AP/Bowmer
Dass der Ölpreis auf Rekordhoch steht, davon merkt man nicht viel bei Texaco an der Connecticut Road. Der Tankwart, ein vor Jahren eingewanderter Chinese, spricht von einem normalen Geschäft. Nichts Aufregendes, schon gar kein Ölschock.

Gelassen schaut er aus seinem kugelsicher glasverstärkten Kassenabteil zu, wie die Kunden alles selber machen. Bezahlt wird per Kreditkarte, direkt an der Zapfsäule. Nur wer einen Stadtplan braucht oder einen Kanister, betritt das winzige Kabuff des Tankwarts. Die Preisschilder verkünden nichts, was Hamsterkäufe auslösen könnte.

Die billigste Sorte bleifreien Benzins kostet 2,91 Dollar. Pro Gallone. Das sind knapp 77 US-Cent pro Liter, umgerechnet rund 0,53 Euro, wobei die Mineralölsteuer nur mit etwa sieben Prozent zu Buche schlägt. Die Preisspitze, die haben die Amerikaner im Juni und Juli erlebt. Damals kostete die Gallone im Schnitt 3,20 Dollar, was Experten mit gewissem Sarkasmus erklärten: Sobald die Urlaubszeit nahe, drehten die Ölgesellschaften automatisch an der Preisschraube.

Beschäftigt mit dem Ungewissen

Was die Analysten diesmal beschäftigt, ist das Ungewisse, ist vor allem der Blick nach Nahost. Im Nordirak scheint noch nicht vom Tisch, dass die türkische Armee im Clinch mit den Kurdenrebellen der PKK doch noch einmarschiert. Im Atomstreit mit Iran verschärft sich der Ton. Die Ölreserven der Vereinigten Staaten reichen im Augenblick aus, um den Bedarf für 21 Tage zu decken. Vor zwölf Monaten hatte man noch Vorräte für 22 Tage in den Tanklagern. Ein kleiner Unterschied, aber doch einer, der Fachleute nervös werden lässt.

Dass Amerikaner weniger Auto fahren, glauben sie nicht. Zu dünn, zu sporadisch sind die Alternativen des öffentlichen Nahverkehrs. Zu tief sitzt die Bequemlichkeit. Immerhin, eine Abkürzung drängt sich immer stärker in den Vordergrund. MPG, Miles Per Gallon, die Angabe, wie viele Meilen ein Fahrzeug mit einer Gallone Benzin fahren kann. Der Honda Accord beispielsweise, eines der meistgekauften Modelle, kommt außerstädtisch auf 34 Meilen pro Gallone, ein Wert, mit dem Pkws aus Detroit meist nicht mithalten können.

Japaner dominieren den Markt

Was wiederum dazu führt, dass die Japaner den Markt dominieren. Der Toyota Prius, ein Hybridauto, gilt als Renner der Saison - in umweltbewegten Kreisen fast schon als Statussymbol. Währenddessen zaudert der US-Kongress, eine Richtlinie zu verabschieden, die US-Automobilherstellern vorschreiben soll, den Benzinverbrauch bis 2020 auf 35 MPG zu senken. Befragt von der Zeitung USA Today, gelangten 53 renommierte Ökonomen zu dem Schluss, dass höhere Ölpreise, derzeit am stärksten spürbar in Form verteuerten Heizöls, nur einen "minimalen Einfluss" auf die US-Wirtschaft haben werden. Am ehesten führten sie dazu, dass Normalverbraucher an anderen Ausgaben sparen. (Frank Herrmann, Washington, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 1.11.2007)