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Großer Empfang für das spanische Monarchenpaar in der Exklave Ceuta

Foto: AP
Die Straßen in Ceuta und Melilla gleichen einem rot-gelben Fahnenmeer. Die Behörden der beiden spanischen Exklaven in Nordafrika hatten mehr als 10.000 Nationalflaggen an die Bevölkerung verteilt. Der Anlass: Zum ersten Mal in seiner 32-jährigen Regentschaft traf der spanische König Juan Carlos am Montag mit seiner Ehefrau Sofia zu einem zweitägigen Besuch in den beiden Städten auf marokkanischem Territorium ein. „Der Monarch möchte seine Verbundenheit mit den Einwohnern von Ceuta und Melilla bekunden“, erklärte der spanische Premierminister José Luis Rodríguez Zapatero.

Aus Protest gegen den Besuch des spanischen Königspaares hatte Marokko bereits am vergangenen Freitag seinen Botschafter, Omar Azziman, aus Madrid auf unbestimmte Zeit zurückbeordert. Am Montag fanden Demonstrationen vor der spanischen Botschaft in der marokkanischen Hauptstadt Rabat statt.

Der Maghrebstaat betrachtet Ceuta und Melilla als von Spanien besetzte Territorien und verlangt deren Rückgabe. Die beiden Städte seien seit über 400 Jahren spanisches Gebiet, lange vor der Existenz des Staates Marokko, so die Argumentation Spaniens dagegen.

Ceuta und Melilla sind nicht die einzigen Reste des ehemaligen spanischen Kolonialimperiums. Eine ganze Reihe von kleinen Inseln entlang der gesamten marokkanischen Mittelmeerküste sind bis heute spanisches Staatsgebiet. Darunter auch die Petersilien-Insel, die 2002 von marokkanischen Soldaten besetzt und kurz darauf vom spanischen Militär zurückerobert wurde. Der militärische Zwischenfall brachte damals die Beziehungen zu Marokko auf den Nullpunkt.

Fische und Touristen

Mit dem Amtsantritt Zapateros 2004 verbesserte sich das Verhältnis beider Länder. Spanische Fischerboote durften wieder vor der marokkanischen Küste fischen, und spanische Firmen sind am Ausbau des Tourismussektors in Marokko ebenso beteiligt wie am geplanten Eisenbahntunnel unter der Meerenge von Gibraltar, der Afrika und Europa verbinden soll. Zu Berühmtheit gelangten die beiden Exklaven auch, als 2005 massenhaft afrikanische Flüchtlinge die Sperranlagen stürmten, um in die EU zu gelangen. (Alfred Hackensberger aus Tanger/DER STANDARD, Printausgabe, 6.11.2007)