Foto: Cuhaj
Was ihren speziellen Tonfall und das musikalische Wiener Kolorit ausmacht, wird vom Institut für Wiener Klangstil wissenschaftlich untersucht. Hinsichtlich ihrer Reisetätigkeit, die im Laufe des vergangenen Jahrhunderts rapide zunahm, haben sie sich sogar vertraglich gegenüber der Republik verpflichtet, als "musikalischer Botschafter" zu fungieren; und 2005 wurden sie außerdem zu "Goodwill Ambassadors" der Weltgesundheitsorganisation ernannt.

Nicht nur hochkarätiges Musizieren ist Ziel des Spitzenorchesters, sondern auch die Verbreitung "des mit Musik untrennbar verbundenen Gedankens von Frieden, Humanität und Versöhnung", wie es im Vorwort zu einem im Ueberreuter Verlag erschienenen Bildband Die Welt der Wiener Philharmoniker (300 S. mit etwa 400 Abb., € 39,95) heißt. Dafür hat ein Film- und Fototeam das Orchester ein Jahr lang – von September 2006 bis August 2007 – bei seinen Aktivitäten rund um den Globus begleitet: nach Seoul, Hongkong, Sydney, Oslo oder Moskau ebenso wie auf eine große Japan-Tournee. Die Auswahl aus mehr als 14.000 Fotografien von Jeanette Handler, die dabei entstanden, zeigt die Musiker aus teils ungewohnter Perspektive und auch in Alltagskleidung, sei es Unterhose oder Fußballtrikot, wobei auch Heimspiele wie das Neujahrskonzert nicht fehlen durften.

Interviews mit prominenten Dirigenten und Texte des Orchestervorstands Clemens Hellsberg kommentieren auch den Alltag beim Dienst in der Wiener Staatsoper oder das ebenfalls dort stattfindende Probespiel – Einblicke, die ein Fernsehfilm von Daniel Schmutzer, der im Frühjahr 2008 auch auf DVD erscheint, wohl noch vertiefen wird. Schade nur, dass das Buch die weiblichen Orchestermitglieder nicht im selben Ausmaß ins Bild rückt wie ihre männlichen Kollegen – anlässlich der statutarischen Gleichberechtigung von Frauen seit 1997 hätte dieses kleine Jubiläum anders begangen werden können. (daen, ALBUM/DER STANDARD/Printausgabe, 03./04.11.2007)