Ewald Nowotny (re.) will in die Nationalbank und verlässt deshalb die Bawag früher als geplant. Stephan Koren wird Bawag-Vize-Chef.

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Wien – Bawag-Chef Ewald Nowotny geht noch früher als erwartet. Am Dienstag, 11 Uhr, und somit fast genau zwei Jahre nach seiner Designierung zum Vorstandsvorsitzenden der damaligen Gewerkschaftsbank, wird der 63-Jährige dem in der Bankzentrale in der Wiener Seitzergasse tagenden Aufsichtsrat seinen Rücktritt per 31. Dezember 2007 bekanntgeben. In der Folge wird gleich auch ein Personalpaket für die künftige Führung der Bank präsentiert werden, die seit Mai fast zur Gänze dem US-Fonds Cerberus gehört.

Und das schaut, wie der Standard in Finanzkreisen eruiert hat, so aus: Ab Jänner führt der 44-jährige Brite David Roberts die Bawag. Er hat im Auftrag der Amerikaner als "Special Advisor" (Spezialberater) des Vorstands gedient, war in den vergangenen Monaten bereits wie ein Schatten Nowotnys aufgetreten. Vorige Woche hat der Retail-Experte, der mehr als zwanzig Jahre lang für die britische Barclays Bank gearbeitet hat (zuletzt im Vorstand), erstmals den in Österreich fast sakrosankten Weltspartag zelebriert; da war der Banker aus Birmingham beim Bawag-Empfang im Hochholzerhof dabei, bei dem zwar wie immer die Wiener Militärmusikkapelle aufspielte – heuer aber nicht nur klassisch den "Radetzkymarsch", sondern auch Jazziges. Tags zuvor hatten tausende Betriebsräte (unbewusst) Gelegenheit gehabt, den künftigen Bawag-Vorstandschef anzuschauen, bei der Weltspartagsfeier der Sparvereine im Austria Center.

Koren neuer alter Vize

Aufgewertet im Bawag-Vorstand wird der getrost dem bürgerlichen Lager zurechenbare Stephan Koren: Er wird zum Stellvertreter des Vorsitzenden gekürt (eine Position, die er bereits innehatte, die aber von Cerberus abgeschafft worden war), sein Vertrag um fünf Jahre verlängert. Jochen Bottermann und Herbert Legradi (beider Verträge laufen 2008 aus) werden ausscheiden: Bottermann geht, wie geplant, in Pension, Legradis Mandat wird nicht verlängert. Ihre Aufgabenbereiche (Klein- und Mittelbetriebe, Retail) werden wahrscheinlich zusammengelegt, ein Nachfolger wird gesucht. Alois Steinbichler bleibt für Kapitalmarkt, Ausland, institutionelle und Firmenkunden zuständig.

Der Grund für Nowotnys sehr vorzeitigen Rückzug (er hat einen funkelnagelneuen Fünfjahresvertrag mit Cerberus in der Tasche) hat einen Namen: Notenbank-Gouverneur. Wie berichtet, ist politisch akkordiert, dass der Sozialdemokrat und karenzierte Universitätsprofessor, der die Bawag aus dem Refco-Debakel und den Karibikverlusten geführt hat, den bis Ende August amtierenden OeNB-Gouverneur Klaus Liebscher (ÖVP) beerbt. Die Amerikaner waren von seinen Abwanderungsgelüsten nicht rasend erbaut, in entsprechenden Gesprächen nach der Weltbanktagung hat sich Nowotny, der an seinen Karriereplänen nicht rütteln ließ, aber durchgesetzt. Um nun aber im September 2008 nicht direkt aus einem operativen Bankvorstandsjob in den Chefsessel der Notenbank (die ja ab 2008 noch mehr Aufgaben in der Beaufsichtigung der Banken haben wird) zu wechseln, soll sich Nowotny selbst eine „Cooling-off-Phase“ verschrieben haben, heißt es in Finanzkreisen. Er selbst wollte dazu auf STANDARD-Anfrage nichts sagen.

Ganz kalt wird ihm übrigens nicht: Nowotny geht in den Bawag-Aufsichtsrat. Und: Im Sommersemester wird er wieder seine montägliche Vorlesung über „European Money and Banking“ halten, wie ebendort zu eruieren ist.

In der Bawag selbst werden Mitte November alle Führungskräfte auf die neue, in zahlreichen Projekten (IT und Personalabbau; Bonussystem; Vertrieb; Zahlungsverkehr) vorbereitete Strategie eingeschworen – oberstes Ziel ist es, Marktanteile zurückzuerobern und das internationale Geschäft aufzubauen. Die Ostbankentöchter werden zwar verkauft, dafür will Cerberus die Bank in Westeuropa besser positionieren, durch Kooperationen, Zukäufe und das Geschäft mit Spezialfinanzierungen.

Rückfahrticket für FMA-Chef

Der Umstieg Nowotnys ist nur ein erster Schritt. Weitere Rochaden folgen. Der Streit um die Bankenaufsicht hat nämlich Umbesetzungen im Vorstand der Finanzmarktaufsicht FMA ausgelöst. FMA-Vorstand Heinrich Traumüller (einst von Karl-Heinz Grasser nominiert) wird sich verabschieden. Ihm soll OeNB-Bankenprüfer Helmut Ettl (SPÖ) folgen – er soll sich aber noch zieren. Ettl verhandelt gerade seinen Vertrag – und besteht auf ein Rückfahrticket in die Notenbank. (Renate Graber, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 5.11.2007)