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In Freilassing unmittelbar an der bayerisch-österreichischen Grenze ist am Samstag ein österreichischer Lieferwagen von einem Regionalzug erfasst worden, zwei Männer erlagen noch an der Unfallstelle ihren schweren Verletzungen.

Foto: APA/BRK-BERCHTESGADENER LAND
Drei Tote bei Unfällen auf unbeschrankten Eisenbahnkreuzungen gab es allein an diesem Wochenende.

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Salzburg/Wien - Die Serie tödlicher Unfälle an unbeschrankten Bahnübergängen reißt nicht ab: Allein im vergangenen halben Jahr sind in Niederösterreich zehn Menschen bei Unfällen auf Eisenbahnkreuzungen getötet worden. Vergangenes Wochenende sind erneut drei Menschen bei Kollisionen mit Zügen ums Leben gekommen.

In Freilassing unmittelbar an der bayerisch-österreichischen Grenze ist am Samstag ein österreichischer Lieferwagen von einem Regionalzug erfasst worden. Der mit zwei Personen besetzte Kleinlastwagen eines Salzburger Handwerkbetriebes ist auf einem mit einer Blinklichtanlage gesicherten Bahnübergang von der Zuggarnitur frontal gerammt und trotz Notbremsung rund 400 Meter weit mitgeschleift worden.

Die beiden Männer - einer davon aus Österreich - sind noch an der Unfallstelle ihren schweren Verletzungen erlegen. Die Zugpassagiere kamen so gut wie unverletzt mit dem Schrecken davon. Ein Defekt an der Blinklichtanlage sei weitgehend ausgeschlossen, so die bayerische Polizei. Allerdings hätten sich an diesem Bahnübergang bereits mehrere schwere Unfällen ereignet.

Sonntagmorgen starb dann in der Steiermark ein 51-jähriger Grazer bei einem weiteren Zugunglück. Der Mann ignorierte das Blinksignal und versuchte, über die Kreuzung mit der Graz-Köflacher-Bahn in Graz-Straßgang zu fahren. Was nicht gelang: Der Mitarbeiter eines privaten Sicherheitsunternehmens wurde mit seinem Firmenfahrzeug zusammengepresst und rund 200 Meter weit mitgeschoben, ehe die Garnitur zum Stillstand kam. Während der Autofahrer auf der Stelle getötet wurde, erlitt der Fahrer der Triebwagengarnitur, der eine Vollbremsung versuchte, bei dem Zusammenstoß eine Platzwunde. Die Passagiere blieben unverletzt. Die Bahnverbindung von Graz nach Köflach war Sonntagvormittag gesperrt.

Erst vergangene Woche hat eine Arbeitsgruppe im Rahmen des "Projekt Andreas" aus Vertretern der Verkehrsministeriums, der ÖBB und des Kuratorium für Verkehrssicherheit eine Liste mit 55 besonders gefährlichen Eisenbahnkreuzungen ausgearbeitet, deren Sicherheit verbessert werden soll. Der Übergang in Graz war darin nicht enthalten.

Nur ein gutes Fünftel der derzeit 5964 Eisenbahnkreuzungen in Österreich ist derzeit mit Schranken abgesichert. Um die Kosten für Bund und Länder zu senken, werden besonders Nebenbahnen meist mit Blinksignalen oder Stopptafeln gesichert. Eine eher neue Idee sind "Lane Lights" - in die Fahrbahn eingelassene Lichter, die bei Anfahrt eines Autos zu blinken beginnen und den Lenker so auf die Geleise aufmerksam machen sollen. (Thomas Neuhold Michael Möseneder, DER STANDARD - Printausgabe, 5. November 2007)