Norbert Darabos hat mit seinem klaren Eintreten für eine Teilnahme österreichischer Soldaten an einer Schutztruppe für die sudanesischen Flüchtlinge im Tschad Mut bewiesen. Noch viel mehr Mut gehört dazu, an diesem einmal eingeschlagenen und nicht sehr populären Kurs festzuhalten - auch wenn die Nachrichten über Chancen und Risiken dieses Einsatzes immer mehr Bestürzendes zutage fördern.

Es ist kein Zufall, dass der Tschad so stark ins öffentliche Bewusstsein Europas rückt: Jahrelang hat man dem Morden und Brennen im Sudan zugesehen, als ob die Menschenrechtsverletzungen keinen etwas angingen. Sie gehen uns aber etwas an, nicht nur prinzipiell. Sondern auch, weil sie Flüchtlingsströme auslösen, die vielleicht irgendwann in Europa enden könnten. Auch das hat lange nur Achselzucken hervorgerufen - bis klar geworden ist, dass es um Einfluss und Rohstoffe für Europa geht; wobei sich andere Weltmächte mit mehr Entschlossenheit und deutlich weniger Skrupeln bereits in der Region engagieren.

Im Tschad geht es also um europäische Interessen. Und das sind, wie Darabos richtig erkannt hat, eben auch österreichische. Dabei gibt es sehr ungute Nebenerscheinungen - eine Hilfsmission, in deren Vorfeld undurchsichtige Adoptionsaffären mitsamt behaupteten Kindesentführungen, Inhaftierungen von Helfern und Interventionen bis hinauf zum französischen Präsidenten passieren, steht unter keinem guten Stern. Eine humanitäre Aktion, bei der das militärische Engagement von einigen gutmeinenden Helfern, aber auch von lokalen Machthabern und deren kaum kontrollierbaren Milizen äußerst kritisch gesehen wird, muss sich von Anfang an darauf gefasst machen, dass ihr jeder denkbare Skandal angelastet wird.

Kaum auszudenken, was es für unsere neutralitätsselige Öffentlichkeit bedeuten würde, wenn österreichische Soldaten in Afrika beschossen werden sollten. Unvorstellbar, was los wäre, wenn sich gar zeigen sollte, dass es Kindersoldaten sind, die da schießen - und dass Österreicher in Notwehr auf diese Kindersoldaten zurückschießen müssten.

Es ist dennoch notwendig, sich zu engagieren. Personell ist das Bundesheer, namentlich das Jagdkommando, für solche möglicherweise heiklen Einsätze sehr gut vorbereitet. Man wusste ja spätestens seit 1991, dass österreichische Soldaten künftig in immer heiklere Missionen geschickt werden können. Umso weniger verständlich ist, wie wenig die materielle Ausstattung mit diesem Anspruch mitgehalten hat. Denn je umfangreicher und besser die Technik ist, die ein Land zu Konfliktlösungen beitragen kann, desto weniger wirklich kritische und moralisch bedenkliche Situationen sind zu befürchten.

Hätte Österreich mehr modernes Fluggerät von der unbemannten Drohne über den Kampfhubschrauber bis zum Jet (inklusive entsprechend mobiler Logistik), könnte es sich auf solche hochtechnischen Beiträge zurückziehen. Auf diese Weise könnte man vermeiden, bewaffneten Kindern Aug' in Aug' gegenüberzustehen. Jetzt aber müssen wir dieses Risiko eingehen. (DER STANDARD, Printausgabe, 5.11.2007)