Wien – „Die Männer reden da drüben über Territorien, wir aber reden von Menschen“, sagt Igballe Rogova, die Leiterin des „Kosova Women’s Network“, und zieht lässig an ihrer Zigarette. Ihr gegenüber am Rauchertisch steht Srbijanka Turajliæ, Vorsitzende des Alternativen Akademischen Bildungsnetzwerks in Belgrad. „Wir kennen uns noch nicht. Hallo!“ In Wien findet zurzeit das von Außenministerin Ursula Plassnik initiierte Symposium „Unsere europäische Zukunft gestalten – Networking von serbischen und kosovarischen Frauen“ in der Diplomatischen Akademie statt.

Gleichzeitig diskutieren die Delegationen aus Belgrad und Prishtina – die ausschließlich mit Männern besetzt sind – über den künftigen Status des Kosovo, ebenfalls in Wien. „In der Statusfrage gibt es auch bei uns ein Patt, aber wir können über soziale und kulturelle Fragen natürlich reden“, erzählt die kosovo-albanische Politikerin Edita Tahiri über ihre Gespräche mit serbischen Politikerinnen innerhalb der regionalen „Lobbyorganisation für Frieden und Sicherheit“, die seit zwei Jahren Frauen aus allen Teilen des Balkans zusammenführt. Tahiri erkämpfte noch als Mitglied der Demokratischen Liga Kosovos (LDK) im Jahr 2001 eine Frauenquote von 30 Prozent im Parlament.

Dann kämpfte sie gegen die Korruption in der Partei und gründete schließlich eine eigene. „Nach dem Krieg haben die Männer aggressiv um die Macht gekämpft und die Frauen marginalisiert“, erzählt sie. Das Problem sei, dass es keine Frauenquote unter den Entscheidungsträgern gebe.

Vorwahlen in den USA

Tahiris Partei tritt bei den kommenden Wahlen mit der oppositionellen Demokratischen Partei Kosovos (PDK) an. Sie ist dafür, dass die Kosovo-Albaner nur gemeinsam mit den USA_und der EU die Unabhängigkeit ausrufen sollen. „Die Gespräche jetzt sind dafür da, dass die internationale Gemeinschaft einen Konsens findet“, sagt Tahiri. Wann der Kosovo anerkannt wird? „Vor dem Nato-Gipfel im April“, sagt Tahiri. Denn dann begännen die Vorwahlen in den USA, und in dieser Zeit wären große politische Entscheidungen ungewöhnlich.

Liljana Smajloviæ, Chefredakteurin der regierungsnahen Belgrader Zeitung Politika, denkt auch, dass dies ein entscheidendes Datum ist. Ob es Kontakt zwischen kosovo-albanischen und serbischen Journalisten gebe? „Kaum“, sagt Smajloviæ. „Wenn BBC_nicht übersetzen würde, wüssten wir gar nicht, was die albanischen Medien schreiben.“ Der Politika-Korrespondent im Kosovo traue sich nicht aus dem von Serben bewohnten Nordmitrovica hinaus. Nur die amerikanische Botschaft ermögliche zuweilen Pressetermine für serbische Journalisten im Kosovo. Sie selbst habe aber bereits Artikel von der kosovarischen Zeitung Koha Ditore bestellt und bekommen. Als aber Politika den Kosovo-Premier Agim Ceku interviewte, reagierten die Leser ziemlich indigniert. (Adelheid Wölfl/DER STANDARD, Printausgabe, 6.11.2007)