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Erst vor kurzem demonstrierten Hunderte in Amsterdam gegen das geplante Verbot der "Magic Mushrooms".

Foto: Reuters
Den Haag – Auf den ersten Blick sehen sie unscheinbar und harmlos aus, doch in den Niederlanden sind sie schon manchem Touristen zum Verhängnis geworden: Sogenannte Zauberpilze lösen bei ihren Konsumenten Halluzinationen aus; mit durchaus gefährlichen Konsequenzen. Sie wurden in den Niederlanden bisher legal in "Smartshops" verkauft. Nach mehreren gefährlichen Zwischenfällen mit Touristen will die Regierung dem Pilzverkauf nun einen Riegel vorschieben. Gemeinsam hatten der Gesundheits- und der Justizminister kürzlich verkündet, den Anbau und Verkauf der "Magic Mushrooms" verbieten zu lassen. Dafür hatte auch eine Mehrheit des Parlaments gestimmt. Die Politiker sind aufgeschreckt, denn in jüngster Zeit häuften sich negative Schlagzeilen über die Zauberpilze. So war eine 17-jährige Französin nach dem Verzehr von einer Amsterdamer Brücke gesprungen. Allerdings konnte nicht zweifelsfrei geklärt werden, ob die Droge der Auslöser dafür war.

Schon zu Beginn des Jahres hatten die Amsterdamer Gesundheitsbehörden Alarm geschlagen. Sie hatten festgestellt, dass die Zahl der Touristen, die nach Konsum der Zauberpilze zum Arzt mussten, in den vergangenen Jahren sprunghaft angestiegen ist.

"Gute Ratschläge"

In der Amsterdamer Innenstadt, wo die meisten Smart- und Coffeeshops für den legalen Verkauf von Cannabis liegen, wissen viele Touristen noch nichts von dem geplanten Verbot. Der 25-jährige Adam aus England hält die "Magic Mushrooms" nicht für gefährlich. Allerdings habe er sich vor dem Genuss der Pilze genau informiert. "Die Leute im Smartshop geben gute Ratschläge", ergänzt Adams Reisebegleiterin, die 28-jährige Kyra.

Andy aus Deutschland ist ebenfalls gegen ein generelles Verbot. "Sie sollten sie einfach nicht an Minderjährige verkaufen. Die unter 18-Jährigen wissen nicht, wie sie damit umgehen müssen", sagt der 40-Jährige. Auch Smartshop-Betreiber Jos verteidigt den Verkauf der Pilze. Seine Kunden bekämen eine ausführliche "Gebrauchsanweisung", sagt er. Wenn sie sich daran hielten, könne nichts passieren: "Wir sagen den Leuten, dass sie die Pilze nicht mit Alkohol mixen sollen." Jos ist wütend auf die Regierung: "Wenn die Pilze verboten werden, werden sie auf dem Schwarzmarkt verkauft; ohne Anleitung." Und die Smartshops würden bleiben, sagt er: "Wir werden etwas Neues finden, das wir verkaufen können, etwas Stärkeres."

"Nervenkitzel"

Auch der Vorsitzende der Niederländischen Smartshop-Vereinigung, Freddy Schaap, hält das geplante Verbot für einen Fehler und argumentiert: "Die Leute suchen den Nervenkitzel. Sie werden versuchen, ihn anderswie zu bekommen; zum Beispiel mit LSD, und das ist wesentlich gefährlicher." Die Pilzhändler halten ohnehin die Sorge der Politiker für übertrieben. Sie verweisen auf einen Bericht der Gesundheitsbehörde, dem zufolge Amsterdams Notärzte im Jahr 2005 insgesamt 125-mal nach Zwischenfällen mit Zauberpilzen gerufen wurden – aber 2000-mal bei Zwischenfällen mit Alkohol. (Gerald de Hemptinne, AFP/DER STANDARD – Printausgabe, 6.11.2007)