"Es gibt einige Anhaltspunkte, dass nicht alles korrekt war", bestätigte Wiens Vizepolizeipräsidentin Michaela Pfeifenberger am Montag vor Gericht – und meinte damit Ermittlungen unter dem Leiter der Kriminaldirektion (KD) 1, Oberst Roland Frühwirth. Dabei war es Frühwirth selbst gewesen, der geklagt hatte – seinen Kontrahenten und früheren Vorgesetzten, den suspendierten Leiter der kriminalpolizeilichen Abteilung, Hofrat Ernst Geiger.

Die "Saunaaffäre" bringt die Wiener Polizei immer noch gehörig ins Schwitzen – und am Montag gab es einen ordentlichen Aufguss im Bezirksgericht Hietzing. Geiger hatte Frühwirth vorgeworfen, dass er seine Stellung als KD 1-Leiter missbraucht haben soll und unter anderem in der "Sauna"-Affäre widerrechtlich gegen ihn vorgegangen sei. Frühwirth klagte wegen übler Nachrede – und musste sich am 2. Prozesstag selbst einiges anhören. Seine Abteilung hatte das Telefon des Betreibers der "Golden Time"-Sauna abgehört – und da hatte Geiger angerufen. Das und eine spätere Observierung hätte "auf jeden Fall" einem Vorgesetzten gemeldet werden müssen. Und da Geiger der direkte Vorgesetzte war, hätte "wohl der Polizeipräsident informiert" werden müssen, betonte Pfeifenberger. Und das sei nicht geschehen.

Noch deutlicher wird Gerhard Pürstl, Leiter des Rechtsbüros der Bundespolizeidirektion Wien. Er untersucht derzeit den Akt gegen den "Golden Time"-Betreiber. Dieser war kurz nach Erscheinen eines News-Artikels angelegt worden, mit dem der damalige Landespolizeikommandant Roland Horngacher durch die Aussage einer Prostituierten selbst in eine Rotlicht-Affäre verwickelt worden war.

Pürstl kann schon jetzt, vor Abschluss seines Aktenstudiums sagen: "Entweder das waren Polizeistaatmethoden – oder, wenn man nur ungeschickt vorgegangen ist, dann in einer Anhäufung, die ich in einer Polizei dieses Jahrhunderts nicht gerne sehen möchte."

Der Geheimakt

Etwa dass der Akt in der KD1 von Frühwirth persönlich und geheim geführt wurde, "aber nicht nach der Verschlusssachenordnung". Oder dass zur Observation des "Golden Time"-Betreibers und Geigers just Horngachers "Einsatztruppe zur Bekämpfung der Straßenkriminalität" zugezogen wurde.

Horngacher will von all dem nichts gewusst haben. Pürstl sagt aber aus: Horngacher habe ihm schon sehr früh gesagt, ihm sei klar, dass der "Golden Time"-Betreiber "und Geiger unter einer Decke stecken. Er hat mit Aktenteilen herumgefuchtelt und deutlich gemacht, dass er sich rächen wird."

Zwischen all dem die Prostituierte J., die im "Golden Time" arbeitete, über ihre früheren Nächte mit einem hohen Polizeibeamten berichtete, später eingeschüchtert bei der Polizei in Schwechat ausgesagt hatte – und untertauchte. Doch weder Hongacher, der sich angesprochen fühlte, hatte Anzeige erstattet – noch hatte es nach Rücksprache mit Präsident Stiedl Konsequenzen gegeben. "Mich hat das gewundert, warum man da nicht dienstrechtlich vorgeht", bekennt Pürstl. "Da ist einfach nichts passiert?", will Geigers Anwalt Manfred Ainedter auch von der Vizepräsidentin wissen. "Es ist so. Es ist nichts passiert", bestätigt Pfeifenberger. Der Prozess wurde vertagt. (Roman David-Freihsl/DER STANDARD – Printausgabe, 6.11.2007)