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Muskelpaket und Retailexperte für die Bank der kleinen Sparer: David Roberts.

Foto: APA/Herbert P. Oczeret
Blieben Karriereplanungen nicht manchmal nur Planungen, so wäre David Roberts heute wahrscheinlich Chef der britischen Barclays Bank - und hätte andere Sorgen. Die drittgrößte britische Bank ist einerseits nach schwierigen Übernahmefällen und andererseits wegen Verstrickungen in die US-Immobilienkrise selbst angeschlagen, ihre Aktien haben zuletzt rund ein Drittel ihres Werts eingebüßt.

Wäre also nicht alles anders gekommen, säße der künftige Bawag-Chef, ein muskelbepackter Mathematiker und Betriebswirt - studiert hat der 45-Jährige aus Liverpool Mathematik an der Universität Birmingham, seinen MBA hat er in der renommierten Hensley Business School absolviert - heute also noch immer bei Barclays. Dort hat er 1982 als Trainee begonnen und sich Sprosse für Sprosse hinaufgeturnt. Zuletzt war er im Vorstand für das internationale Privat- und Kommerzkundengeschäft zuständig gewesen.

"Hochangesehen" sei er als Banker, schrieb die Financial Times nach seinem völlig überraschenden Rücktritt im Vorjahr. Das internationale Geschäft, das Roberts ab 2003 zu verantworten hatte, lief blendend, der Brite hatte vor allem das Retailbanking - über das er künftig die österreichische Bawag zur kundenfreundlichsten und von den Kunden am besten angenommenen Bank machen möchte - auf Vordermann gebracht.

Sein Meisterstück hatte der Mann, der morgens auf dem Laufband Deutsch lernt, dabei 2003 abgeliefert, mit der Übernahme und Integration von 54 Prozent der südafrikanischen Absa Bank - eine umgerechnet fast vier Milliarden Euro schwere Akquisition. Trotzdem bauten seine damaligen Chefs das Management um, zentralisierten und setzten ihm einen anderen vor die Nase, was Roberts, offenbar mit einer Träne im Auge, zum Abschied - mit 900.000 Euro versüßt - veranlasste. "Ich liebe Barclays", sagte er, "aber es ist Zeit für eine Pause."

Die macht er nun in Wien. Bawag-Aktionär Cerberus hatte nämlich inzwischen ein Auge auf den Banker geworfen, ihn flugs zum "Berater" des Vorstands erkoren, den man getrost auch Aufpasser nennen könnte - kränkte man dadurch nicht Noch-General Ewald Nownoty, der diese Beschreibung seines Nachfolgers heftig zurückweist. Die harte Handschrift des Hammerwerfers - Roberts hat sich schon in Collegezeiten mit, ausgerechnet, Hammerwerfen einen internationalen Namen und etliche Rekorde erworfen - ist längst abzulesen in der ehemaligen Gewerkschaftsbank: zum Beispiel am Verkaufsbeschluss für die kleinen Ostbanken der Bawag.

In Österreich wird sich Fußballfan (Lieblingsklub: Everton) Roberts bald gemütlich einrichten, er sucht gerade ein Haus (in England und Kanada hat er schon eines), für sich, seine Frau Jill - und seine sechs Kinder. (Renate Graber, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 6.11.2007)