Wien - Der Leiter der Expertenkommission für das Unterrichtsministerium zur Ausarbeitung der Neuen Mittelschule, der frühere steirische ÖVP-Klubchef Bernd Schilcher, sieht keinen übers Knie gebrochenen Kompromiss bei der Einigung über die Schulreform. "Das Baby ist noch nicht da, aber das Kinderzimmer ist eingerichtet". Es handle sich um ein Angebot, das überzeugend sein müsse. "Wenn es Furore macht, wird es flächendeckend eingeführt werden können. Wenn es nicht überzeugend ist, stirbt es".

FPÖ will Ausländeranteil einschränken

Natürlich wäre man froh gewesen, ohne Zweidrittel-Mehrhzeit durchzukommen. "Das muss die ÖVP verantworten", die ins Jahr 1962 zurückmarschiert sei, so Schilcher in der "ZIB 2" des ORF-Fernsehens.

FPÖ-Bildungssprecher Martin Graf sieht in der Schulreform-Einigung von SPÖ und ÖVP "viel Lärm um Nichts". In Wahrheit gehe es den Koalitionsparteien nur um die Sicherung und den Ausbau ihrer jeweiligen Einflusssphären. Österreich brauche aber eine umfassende Reform des Unterrichtswesens. Die FPÖ wolle außerdem den Anteil von Ausländerkindern auf maximal 30 Prozent beschränken.

"Andreas Wabl der Bildungspolitik"

Über das Abschaffen des Sitzenbleibens in der Neuen Mittelschule sagte Schilcher: "An der Uni müssen die Studenten auch nicht einen ganzen Abschnitt wiederholen, wenn sie eine Prüfung nicht schaffen. Warum sollte es dann in der Schule anders sein." Martin Graf konnte den Vergleich von nicht nachvollziehen: "Sie sind der Andreas Wabl der Bildungspolitik. Das eine hat mit dem anderen nichts zu tun." (APA/red)