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Enzo Biagi verstarb im Alter von 87 Jahren in Rom.

Foto:APA/epa/Giorgio Benvenuti
Der Doyen der italienischen Journalisten, Enzo Biagi, ist am Dienstagvormittag in einem Krankenhaus in Mailand gestorben. Der 87-jährige Journalist war am Freitag wegen Herzproblemen ins Spital eingeliefert worden.

Der 1920 geborene Biagi war der prominenteste Journalist Italiens. Der aus der Gegend von Bologna stammende Kommentator hatte als Widerstandskämpfer gegen das faschistische Regime seine Karriere als Journalist begonnen. Gegen Ende des Zweiten Weltkrieges rückte er mit alliierten Truppen in Bologna ein und verkündete im Radio die Befreiung. Kurze Zeit später wurde er als Sonderreporter und Kinokritiker der Tageszeitung von Bologna "Resto del Carlino" eingestellt.

Einige Monate später erhielt er vom Verleger Arnoldo Mondadori die Aufgabe, sich als Chefredakteur um die Mailänder Wochenzeitschrift Epoca zu kümmern. Wiederum nur wenige Monate später wurde er zum Direktor ernannt. Biagi krempelte die Zeitschrift, die sich zuvor in Schwierigkeiten befunden hatte, komplett um, führte neue Rubriken ein und machte aus dem vormaligen Klatschblatt eine engagierte Zeitschrift. Unter seiner Leitung erreichte Epoca dank einiger Exklusivreportagen eine große Leserschaft.

Konflikt mit Politikern

1961 wurde Biagi zum Direktor der Tagesschau des Staatsfernsehens RAI ernannt. Er stellte einige der bekanntesten italienischen Journalisten wie Giorgio Bocca und Indro Montanelli ein. Wegen seiner parteiunabhängigen Berichterstattung geriet Biagi öfters mit Prominenten Politikern in Konflikt. Im Jahr 1971, nach zahlreichen Kollaborationen mit der Mailänder Tageszeitung Corriere della Sera und dem Wochenmagazin L'Europeo, begann er auch wieder seine Zusammenarbeit mit der RAI.

Biagi war auch ein unermüdlicher Autor. Dutzende Bücher über die italienische Politik, das Mediensystem und über die Geschichte Italiens veröffentlichte er in seiner beispiellosen Karriere. Auch im hohen Alter sorgte er mit seiner Zivilcourage für Debatten. 1995 begann die Übertragung des RAI-Programms Il Fatto nach den Nachrichten, in dem die wichtigsten Themen des Tages vertieft wurden, mit Biagi als Moderator. Im Jahr 2004 wurde Il Fatto, das durchschnittlich ein Publikum von 6 Millionen Zusehern hatte, von einer Jury aus Journalisten zum besten RAI-Programm der letzten 50 Jahre gewählt.

Nachdem der TV-Unternehmer Silvio Berlusconi 2001 zum Regierungschef ernannt wurde, geriet Biagi stark unter Beschuss. Wegen seiner regierungskritischen Haltung ließ Berlusconi Il Fatto einstellen. Die offizielle Begründung: Die Einschaltquoten seien zu schwach. Daraufhin entschloss sich Biagi schließlich, seine Arbeit bei der RAi aufzugeben und sprach von Zensur im italienischen Mediensystem. Erst nachdem Berlusconi 2006 abgewählt worden war, konnte Biagi wieder als Moderator der Sendung RT - Rotocalco Televisivo in die RAI zurückkehren. (APA)