Die drei von der Bawag: David Roberts, Präsident Wulf v. Schimmelmann und der scheidende Ewald Nowotny (v. li.).

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Zwei Generationen Bawag-Chefs: David Roberts (45, li.) "ist sehr stolz, nächster Bawag-Chef zu werden",...

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...Ewald Nowotny "ist mit dieser Bank verwachsen" und will als Nächstes mit der Notenbank verwachsen.

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Wien – Das Blitzlichtgewitter war – einmal mehr in der jüngeren Geschichte der Bawag – enorm, als am Dienstag die neuesten Personalrochaden und der jüngste Verkaufsbeschluss (Lotterien-Anteil geht an Casinos AG) bekanntgegeben wurden.

Der Aufsichtsratschef der Bank, der Deutsche Wulf von Schimmelmann, machte nach einer Aufsichtsratssitzung das publik, was der STANDARD in seiner Montagsausgabe berichtet hatte: den Rücktritt Nowotnys und die Bestellung von "Vorstandsberater" David Roberts zu seinem Nachfolger. Roberts, "der zur ganz kleinen Gruppe der wirklich internationalen Banker" gehöre, ist ab Mittwoch einfaches Mitglied des Vorstands, ab Jänner dessen Vorsitzender. Stephan Koren wird Vizechef, eine nach Ansicht des Präsidenten "hervorragende Kombination".

Abgang zur Notenbank

Der Aufsichtsrat der dem US-Fonds Cerberus gehörenden Bank habe das Rücktrittsgesuch Ewald Nowotnys zwar "bedauernd", aber zur Kenntnis genommen. Nowotny streute der Ex-Postbankchef Rosen, es sei "ein Glücksfall gewesen, dass er vor zwei Jahren bereit war, in die Bawag zu kommen. Dass die Bawag heute da ist, verdanken wir ihm".

Nowotny begründete seinen Rückzug damit, dass die Bawag "langfristige personelle Kontinuität braucht, die ich nicht bereitstellen kann". Denn: "Ich werde mich um die Position des Nationalbank-Gouverneurs bewerben."

Dass die neuen Eigentümer beim radikalen Umbau der Bawag mit Hilfe des vielfach prämierten Hammerwerfers Roberts stärker aufs Gas gestiegen sind, als das Nowotny lieb war (was sich zuletzt im überraschenden Verkaufsbeschluss der Ostbanken materialisiert hat), ließ der scheidende Bawag-Chef nicht als Rückzugsgrund gelten. Natürlich sei es "als Generaldirektor nicht ganz so einfach, mit einem Special Advisor zu arbeiten, aber wir haben hervorragend harmoniert", betonte er. Von einem Diktat der Amerikaner könne keine Rede sein, alle Beschlüsse des Aufsichtsrats seien "einstimmig und auf Basis einstimmiger Vorstandsanträge gefallen. Und: Wäre es anders, würde ich ja auch nicht in den Aufsichtsrat wechseln".

338 Mio. für Lotterien-Paket

Einer dieser Beschlüsse wurde denn auch gleich bekanntgegeben: Die Bawag verkauft ihren 36-prozentigen Anteil an der Österreichischen Lotterien GmbH an die Casinos Austria, die ein Vorkaufsrecht darauf haben. Über den Preis wurde Stillschweigen vereinbart. Er beträgt, wie der STANDARD erfahren hat, satte 338 Mio. Euro und wird in drei Tranchen ausbezahlt: 150 Mio. Euro fließen noch heuer, 150 Mio. im Februar und 38 Mio. bei neuer Konzessionserteilung (die jetzige läuft 2012 aus).

Der künftige Bawag-Chef sandte in erster Linie beruhigende Botschaften an die Belegschaft aus. Der bis 2011 geplante Abbau von 400 Mitarbeitern wird nun doch schon bis Ende 2008 über die Bühne gehen, was für Unruhe sorgt, derzeit wird mit den Betriebsräten der Bank heftig an Abfederungsprogrammen gebastelt. Roberts betonte zwar, dass man die Produktivität steigern müsse, aber "mit Schrumpfen wächst man nicht. Wir wollen aber wachsen in Österreich und investieren daher 250 Mio. Euro, auch in neue Geschäftsfelder."

Die neuesten Budgets (das derzeitige sieht für 2011 einen Gewinn von 400 Mio. Euro vor) liegen noch nicht auf dem Tisch. Es ist aber anzunehmen, dass der Sohn eines Dockarbeiters aus Liverpool einen Zahn zulegen wird: "Wir werden uns schneller bewegen", umschrieb er das selbst. (Renate Graber, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 7.11.2007)